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Dexpanthenol

Wundheilung ist reproduzierbar

12.11.2014
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Von Elke Wolf, Frankfurt am Main / Die pharmakologischen Wirkungen von Dexpanthenol bei der Heilung oberflächlicher Wunden sind schon lange bekannt. Jetzt lassen sich diese Effekte erstmals in einem 3-D-Wundheilungsmodell reproduzieren.

Wundheilungsmodelle hatten bislang den Nachteil, nur aus einem Zelltyp zu bestehen. Einem Forscherteam an der Universität Aachen unter der Leitung von Professor Dr. Jens Malte Baron gelang es nun, ein 3-D-Hautmodell zu entwickeln, »das die wesentliche Barriere der Haut nachempfindet und auch in die Tiefe geht«. Das erklärte der Dermatologe auf einer Presseveranstaltung von Bayer Healthcare.

 

Dazu werden aus humaner Haut Keratinozyten und Fibroblasten isoliert und auf ein speziell vorbereitetes Gerüst aus Hyaluronsäure oder Kollagen ausgesät. Unter definierten Kultur­bedingungen entsteht so ein humanes Hautmodell analog der menschlichen Haut mit Strukturen der Epidermis, Dermis, Basalmembran und Stratum corneum.

 

Nicht nur die Zellkultur an sich war bislang problematisch, um aussagekräftige In-vitro-Daten an Hautäquivalenten zu bekommen. Auch die Erzeugung standardisierter Wunden war bisher nicht möglich. Stanzbiopsie und Elektrokauter führen etwa zu Hitzeschäden und ausgefransten Wundrändern, sodass sich die Wunde nicht gleichmäßig schließt. Ergebnisse bei der Wundheilung sind dann nur schwer miteinander vergleichbar. Dem Team um Baron gelang es nun, mit einem fraktionierten Ultrapuls-CO2-Laser definierte Wunden zu setzen. »Mit einem CO2-Laser können wir nun mittels eines Scanners klar definierte, reproduzierbare Verletzungen von Epidermis und oberer Dermis erzeugen. Das eignet sich für die standardisierte Untersuchung von Wundheilungsprozessen besser.«

 

Besser als Vaseline

 

So geschehen mit Dexpanthenol (Bepanthen® Wund- und Heilsalbe). Die topische Behandlung führte im laser­indizierten Wundheilungsmodell zu einem deutlich besseren Wundverschluss als bei den unbehandelten oder mit Vaseline behandelten Kontrollen. Um herauszufinden, ob dieser positive Effekt auch wirklich dem Dexpanthenol geschuldet ist, wurden anschließend Laser-bestrahlte Hautmodelle in einem Pantothenat-haltigen Medium im Vergleich zu Hautäquivalenten ohne Pantothenat-Zugabe kultiviert, erklärte der Dermatologe. Bereits nach drei Tagen war der Wundverschluss in Anwesenheit von Calciumpantothenat weiter fortgeschritten. »Nach fünf Tagen war die laserinduzierte Wunde fast vollständig reepithelisiert, während sich in der Kontrolle immer noch eine offene Wunde zeigte«, so Baron. Bei unbehandelten Wunden setzt die Reepithelisierung erst etwa nach sieben Tagen ein.

 

Die stimulierenden Effekte von Dexpanthenol auf die Wundheilung belegen nicht nur histologische Untersuchungen mithilfe der Licht- und Immunfluoreszenzmikroskopie. Auch auf der Ebene der Genexpression ließen sich bei Kultivierung der Wundmodelle in Medien mit Calciumpantothenat modulierende Effekte auf Gene nachweisen, die für die Wundheilung von Belang sind. »Wir fanden eine erhöhte mRNA-Expression von Metalloproteinasen, Il-1α oder Keratin-assoziiertem Protein 4-12. Die Expression von Psoriasin, einem Protein, dessen Spiegel bei Wundheilungsstörungen erhöht ist, war dagegen vermindert.«

 

Diese Ergebnisse haben nach den Ausführungen Barons praktische Konsequenz. »Bislang verwendete man für die Nachbehandlung einer Lasertherapie entsprechend der Empfehlung der Gerätehersteller Vaseline. Doch nach unseren Forschungsergebnissen ermöglicht Dexpanthenol-haltige Salbe eine raschere Wundheilung als Vaseline.« /

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