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Präparate gegen Schwindel

NDR testet Apotheken

04.11.2015
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Von Christina Müller / Wer wegen Schwindelgefühls in die Apotheke geht, wird häufig gar nicht oder nur unzureichend beraten. Das war die Botschaft eines Fernsehbeitrags, den der Norddeutsche Rundfunk (NDR) am Montag Abend in der Sendung »Markt« ausgestrahlt hat.

 

Dabei kritisierte das Verbraucher- und Wirtschaftsmagazin vor allem, dass das Apothekenpersonal der Testkundin zu selten zu einem Arztbesuch riet. Der NDR testete insgesamt zehn Apotheken. Eine Testkäuferin gab an, seit zehn Tagen unter Schwindelsymptomen zu leiden. 

 

In sieben Apotheken erhielt sie daraufhin rezeptfreie Mittel gegen Schwindel: fünfmal Vertigoheel, einmal Vertigo-Vomex und einmal Korodin Tropfen. Nur in drei Fällen verwies sie das pharmazeutische Personal an einen Arzt. Je nach Ursache des Schwindels kann das laut NDR lebensbedrohliche Konsequenzen haben, etwa bei einem Hirn­tumor.

 

Der Gesundheitsökonom Professor Gerd Glaeske von der Universität Bremen hält das Ergebnis für nicht akzeptabel. Die Wirksamkeit rezeptfreier Schwindelpräparate sei nicht ausreichend durch klinische Studien belegt. Er unterstellt den Apothekern bei der Abgabe der Mittel vor allem wirtschaftliche Interessen. »In manchen Situationen, wo eigentlich die Beratung im Vordergrund steht, machen sie trotzdem Kasse«, sagte er.

 

Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände äußerte sich schriftlich zu den Vorwürfen: »Welche Rolle der Preis bei der Auswahl eines Produkts spielt, lässt sich nicht pauschal beurteilen.« Bei solch kleinen Stichproben sei davon auszugehen, »dass sie keine generalisierbaren Aussagen erlauben«. Die ABDA habe jedoch ein großes Interesse an einer hochwertigen Beratung in den Apotheken. »Schon deshalb nehmen wir jede Form von Kritik ernst.« Das gelte auch und gerade für Testkäufe durch Dritte wie den NDR. /

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