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Forschung in Farbe

04.11.2015
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Von Ulrike Abel-Wanek, Frankfurt / Eine Ausstellung zum 100. Todestag von Paul Ehrlich im Historischen Museum Frankfurt gibt Einblick in das erfolgreiche Leben des Wissenschaftlers.

 

Entlang seiner drei großen Arbeitsgebiete der farbenanalytischen Studien, der Immunologie und Chemotherapie wandelt der Besucher auf den Spuren eines genialen Forschers, streitbaren Kollegen und talentierten Netzwerkers. In sogenannten Homestorys präsentiert die Schau Ehrlich auch als gefühlvollen Privatmenschen.

 

Es begann mit einer kleinen Revolution an der Berliner Charité, wo Ehrlich erstmals mithilfe synthetischer Farbstoffe die Unterschiede zwischen weißen Blutzellen sichtbar machen konnte. Es folgte die Optimierung und Standardisierung des von Emil Behring entdeckten Diphterie-Heilserums. Mit seiner berühmten Seitenkettentheorie erklärte er die Bildung von Antikörpern. 1908 gipfelt die Anerkennung seiner Immunitätsforschung schließlich in der Verleihung des Nobelpreises. Mit einem eigenen Institut zur staatlichen Serumprüfung zog Ehrlich 1899 nach Frankfurt am Main. Hier gelang ihm die Herstellung des rein chemisch hergestellten Heilmittels Salvarsan gegen die weitverbreitete Geschlechtskrankheit Syphillis.

 

»Paul Ehrlich war, dies soll die Ausstellung bei allem Respekt vor seiner Leistung auch zeigen, ein Kind seiner Zeit«, erklärt die Biologin und Ausstellungskuratorin Kirsten Weining. Sein Erfolg sei nicht allein mit seinem außerordentlichen Talent und seiner Zielstrebigkeit zu erklären. Ohne die rasante Entwicklung der Teerfarbenindustrie zum Beispiel und seine vielfältigen Kontakte wäre seine Forschung so nicht möglich gewesen. So treten zahlreiche Mitstreiter und Wegbegleiter von Ehrlich in der Ausstellung auf speziellen Tafeln mit dem Besucher in Dialog. Zum Beispiel Albert Neisser, der 1879 den Erreger der Gonorrhoe entdeckte und mit dem Ehrlich in lebhaftem wissenschaftlichem Austausch stand oder Wilhelm Waldeyer, der schon dem Medizinstudenten Ehrlich zu seiner ersten bedeutsamen Entdeckung verhalf, den Mastzellen. Die Ausstellung stellt Ehrlichs Leistungen in den Kontext seiner Zeit: mit einer aufblühenden Industrie und neu entdeckten Krankheitserregern, die seinen Forschungen ein Ziel gaben. Als Jude bekam Ehrlich aber auch die zunehmende antisemitische Stimmung zu spüren.

 

Die Schau wird ergänzt von der Kabinettausstellung »Medizingeschichte in Flaschen. Die Sammlung Rosak«. Glasflaschen, Blechdosen und Pillenschachteln geben einen Eindruck in die Entwicklung und Vielfalt von Arzneimittelverpackungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. /

 

Arsen und Spitzenforschung.

Paul Ehrlich und die Anfänge einer neuen Medizin.

29. Oktober 2015 bis 3. April 2016

Historisches Museum Frankfurt,

Fahrtor 2,

60311 Frankfurt am Main

www.historisches-museum.frankfurt.de

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