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Sex und Evolution

Blick ins Schlafzimmer der Natur

05.11.2013
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17/18 Chargenrückruf: Solutrast® 370, 10x100 ml

Solutrast® 370
10x100 ml Injektionslösung, Infusionslösung
Ch.-B.: 7B64690

Aus einer Apotheke erhielt die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) eine Meldung zum genannten Präparat mit der betroffenen Charge. Die Firma Bracco Imaging Deutschland GmbH, 78467 Konstanz, bittet nun um folgende Veröffentlichung:

„Bei einer Flasche des Kontrastmittels Solutrast® 370 Injektions-/Infusionslösung mit der genannten Charge gelangten in einem Fall nach Durchstechen des Stopfens mittels eines Spikes einzelne Partikel in die Injektionslösung. Es zeigte sich zusätzlich ein Abrieb von Stopfenmaterial am Spike. Aufgrund dieser ungewöhnlichen Beobachtung ruft Bracco Imaging Deutschland alle Flaschen der genannten Charge Solutrast® 370, 10x100 ml Injektions-/Infusionslösung (PZN 12406813), vorsorglich zurück, um jegliche potentielle Gesundheitsgefährdung von Patienten auszuschließen. Kontrastmittelflaschen der genannten Charge dürfen ab sofort nicht mehr verwendet werden.
Die betroffenen Flaschen dieser Charge werden durch den Hersteller zurückgenommen und ausgetauscht bzw. erstattet. Bei Fragen zum Austausch/Rückgabe kontaktieren Sie bitte das Kundenservice Team von Bracco Imaging Deutschland unter der Telefonnummer 0800 2189560.“

 

 

Zur Kenntnis genommen:

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Dienstag, 24. April 2018, 14:06

23 000 Tote gehen jährlich in den USA auf das Konto von Infektionen mit multiresistenten Erregern. Diese Zahl nennt die CDC in ihrem aktuellem Bericht »Antibiotic Resistance Threats in the United States 2013« (www.cdc.gov/drugresistance/threat-report-2013).

 

Die Lage ist sehr ernst. Der Handlungsspielraum wird immer enger und selbst Reserveantibiotika werden zunehmend resistent. Die Verbreitung von Multiresistenzen kann sich bei manchen Bakterien mit enormer Geschwindigkeit vollziehen, so Steve Solomon, Direktor des CDC-Office of Antimicrobial Resistance in einer Pressemitteilung der CDC.

 

Der unkritische Einsatz von Antibiotika, der die Hauptschuld an der aktuellen Lage trägt, hat unterschiedliche Aspekte: Erstens erfolgen viele Verordnungen ohne kritische Indikationsstellung. Zweitens werden oft Fehler bei der Anwendung gemacht, das heißt, die antibakteriellen Wirkstoffe werden nicht konsequent und nicht lange genug eingenommen. Und drittens ist auch der inflationäre Einsatz dieser hochwirksamen Substanzen in der Tierhaltung ein Riesenproblem. Nicht selten werden Antibiotika hier prophylaktisch eingesetzt, um die Erträge zu steigern.

 

Allein 11 000 Todesfälle werden laut CDC jährlich durch MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) verursacht – ein Keim, der auch in Deutschland trotz rückläufigen Trends nach wie vor zu den relevanten Problemkeimen zählt. Als äußerst bedrohlich wird außerdem die Situation bei Carbapenem-resistenten Enterobakterien, bei Neisseria gonorrhoeae sowie bei Clostridium difficile eingestuft.

 

Bleibt die Frage, wie man das Problem in den Griff bekommen kann. Neben einer strengen Indikationsstellung ist auch die Kontrolle der Compliance ein wichtiges Anliegen der Experten. Zudem wird auf die Infektionspräven­tion durch einfache Hygienemaßnahmen fokussiert. Und letztlich setzen die Experten auf die Entwicklung innovativer antibakterieller Wirksubstanzen – auch das zeigt, wie eng es bereits geworden ist.

 

Dazu sinn­gemäß CDC-Direktor Tom Frieden auf einer Pressekonferenz der CDC: Wenn nicht rasch etwas passiert, stehen wir mit leeren Händen da und können lebensbedrohliche Infektionen nicht mehr therapieren. /

Von Ulrike Abel-Wanek / Was hat Sex mit Evolution zu tun, und warum gibt es Sex überhaupt? Eine Ausstellung in Münster widmet sich der »schönsten Sache der Welt« und gibt Einblicke in zum Teil bizarre Fortpflanzungsstrategien im Tier- und Pflanzenreich. Aber auch der Mensch ist Thema der Schau.

Es geht um Partnerwahl, Paarung und die Frage: Warum das alles? Speziell über die biologische Bedeutung von Sex rauften sich Evolutionsbiologen lange Zeit die Haare. Wozu der Aufwand einer nervenaufreibenden Suche nach dem richtigen Partner, die so viel Zeit und Energie kostet? Bevor die Natur vor rund 800 Millionen Jahren die sexuelle Fortpflanzung erfand, pflanzten sich alle Organismen auf der Erde asexuell fort.

»Der entscheidende Vorteil von Sex aus biologischer Sicht ist, dass er es einer Art ermöglicht, Nachkommen mit unterschiedlichen Eigenschaften zu bekommen und sich damit besser an Veränderungen ihrer Umwelt anzupassen«, sagte der Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Wolfgang Kirsch, zur Ausstellungseröffnung. Bis zum 19. Oktober 2014 ist die Schau »Sex und Evolution« im LWL-Museum für Naturkunde in Münster zu sehen. Welche Spielarten von Fortpflanzung es gibt in der Natur, was Tiere und Menschen gemeinsam haben und was in puncto Sex typisch menschlich ist – Antworten auf diese Fragen liefert diese Ausstellung. Grundsätzlich richte sich die Schau an alle Altersgruppen und sei deshalb auch familiengerecht.

Die Mehrheit der Arten auf der Erde pflanzt sich sexuell fort. Bereits im Eingangsbereich verdeutlichen dies verschiedene Tiere, die in Paarstellung zu sehen sind, unter ihnen Rothirsch, Fuchs, Igel. Doch es geht auch anders. Viele Pflanzen bilden beispielsweise Ableger, vermehren sich also nichtgeschlechtlich. Ebenso die einfache Zweiteilung von Bakterien und anderen Einzellern. Der Vorteil: Erfolgreiche Genkombinationen bleiben erhalten und eine mühsame Suche nach Fortpflanzungspartnern entfällt. Zwitter wie Schnecken und Würmer sind Männchen und Weibchen in einem und können sich mit jedem Artgenossen paaren, dem sie begegnen.

 

Auch Homosexualität ist im Tierreich weit verbreitet. Bei über 1500 Tierarten wurde Homosexualität bereits wissenschaftlich dokumentiert, darunter Delfine, Giraffen und Pinguine. Pinguine etwa brüten als gleichgeschlechtliches Paar erfolgreich fremde Eier aus und ziehen ihre Jungen groß. Sich gleichgeschlechtlich zu orientieren ist entgegen früherer Vorstellungen kein abnormales Verhalten, sondern ein Teil des gängigen Verhaltensrepertoires vieler Tierarten. Die Gründe hierfür scheinen sehr verschieden zu sein. Nicht alle Erklärungen sind so einfach wie beim indischen Buntbarsch, bei dem sich die Geschlechter so ähnlich sind, dass es schlichtweg zu Verwechslungen kommen kann.

»Die unterschiedlichsten Strategien bei der Partnerwahl werden vorgestellt mit naturkundlichen Objekten, Fotos, Grafiken, interaktiven Medien und Mitmach-Stationen«, erklärt Kirsch. »Die Besucher betreten mit uns das Schlafzimmer der Natur.« Die Ausstellung zeige, warum das »Schöne« oft nicht das weibliche Geschlecht ist, kläre auf, wie Männchen ticken und was Weibchen wollen und warum verschwitzte T-Shirts hilfreich sein können bei der Suche nach dem Traummann oder der Traumfrau.

 

Neben bunten Vogelmännchen, imposanten Geweihen, farbenfrohen Schmetterlingen und leuchtenden Käfern, wird aber auch der Mensch in der Ausstellung nicht vernachlässigt. Das Verhältnis der Geschlechter zueinander scheint durch uralte, im Laufe der Evolution entstandene Verhaltensweisen noch heute beeinflusst zu sein. Dabei geht es immer irgendwie um die Wahl des genetisch bestmöglichen Partners, um materielle Sicherheit oder die tatkräftige Unterstützung bei der Versorgung von Kindern.

Auch der Mensch in seinem sozialen Umfeld wird unter die Lupe genommen. »Wir zeigen, welche Rolle Sex in verschiedenen Kulturen gespielt hat und wie Sitten und Gesetze das Sexualleben der Menschen beeinflussen«, erläutert Kurator Dr. Jan Ole Kriegs. Dabei standen und stehen sexuelle Wünsche und gesellschaftliche Sitten bekanntlich nicht immer im Einklang miteinander. Der Gang durch die Epochen macht aber auch deutlich: In unserer Zeit entfernen sich die Wege von Sex und Fortpflanzung voneinander. Kommt es evolutionsbiologisch nur auf den Nachwuchs an, geht es menschlich auch um ein erfülltes Leben und die individuelle Freiheit.


Der Neandertaler in uns

 

Und was machen die Neandertaler in der Ausstellung? An einzelnen Vertretern der uns sehr nah verwandten Menschenart fanden unsere Vorfahren offensichtlich Gefallen. Soll heißen: Neandertaler und Menschen hatten Sex miteinander. »Genvergleichen zufolge haben wir als Mitteleuropäer bis zu vier Prozent unserer DNA von den Neandertalern geerbt«, erläutert Kurator Kriegs. »Der Neandertaler steckt also in jedem von uns.« /

 

Sex und Evolution. Sonderausstellung im LWL-Museum für Naturkunde, Münster. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 9 bis 18 Uhr

www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de

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