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Neurobiologie

Gedächtnis auf Reset

04.11.2008  12:20 Uhr

Neurobiologie

Gedächtnis auf Reset

Von Daniela Biermann

 

Wollen Sie diese Erinnerung wirklich löschen? Was sich anhört wie ein Computerbefehl aus einem Science-Fiction-Film, könnte einmal eine Frage von Ärzten sein. Bei Mäusen ist es bereits gelungen, einzelne Erinnerungen zu tilgen.

 

Die eine oder andere unliebsame Erinnerung würde so mancher gern aus seinem Gedächtnis löschen; vielleicht den letzten Liebeskummer oder eine peinliche Begegnung. Bei Traumapatienten verursachen schlimme Erahrungen wie Krieg oder Missbrauch Panikattacken und Albträume. Die Betroffenen erleben die traumatische Situation immer und immer wieder und würden sie am liebsten einfach aus ihrem Gedächtnis tilgen. Doch wie lässt sich eine konkrete Erinnerung löschen, ohne eine totale Amnesie auszulösen?

 

Indem man die Information genau in dem Moment abfängt, in dem sie ins Gedächtnis gerufen werden soll, entdeckten Forscher vom Medical College of Georgia, USA, und der East China Normal University, Schanghai, China. Dabei scheint ein nur im Gehirn vorkommendes Enzym, die Calcium/Calmodulin-abhängige Proteinkinase-II-α (αCaMKII) eine große Rolle zu spielen. Dr. Joe Tsien und seine Kollegen entwickelten ein Mausmodell, bei dem sie dessen Expression gezielt steuern konnten. Sie versetzten den Tieren Elektroschocks. Mäuse können Schmerzen mit dem Ort, an dem sie diese erlitten haben, verknüpfen. Setzten die Wissenschaftler die Versuchstiere zurück an den Ort des Experiments und stimulierten die Expression von αCaMKII, konnten diese sich jedoch nicht mehr daran erinnern. Dies funktionierte sowohl eine Stunde als auch einen Monat nach dem Test. Andere Erinnerungen blieben intakt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift »Neuron« (Doi: 10.1016/j.neuron.2008.08.027). »Unser Ansatz zeigt einen molekularen Mechanismus, wie Erinnerungen schnell und selektiv gelöscht werden können, ohne Nervenzellen zu schädigen«, sagt Tsien. Bis das Modell auf den Menschen übertragen werden kann, wird es aber wohl noch etwas dauern.

 

Um Erinnerungen zu speichern, müssen Nerven neu verknüpft werden. Kommt ein Lernsignal an einer Synapse an, werden NMDA-Rezeptoren aktiviert. Das löst eine Signalkaskade aus, woraufhin AMPA-Rezeptoren in die postsynaptische Membran eingelagert werden. So soll die Verknüpfung verfestigt werden. An diesem Prozess scheint αCaMKII beteiligt zu sein.

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