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Adipositas

Momentaufnahme der globalen Fettleibigkeit

06.11.2007
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Adipositas

Momentaufnahme der globalen Fettleibigkeit

Von Daniela Biermann

 

Hausärzte haben weltweit an zwei Tagen Gewicht und Taillenumfang von fast 170.000 Männern und Frauen gemessen. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist zu dick. Und das nicht nur in den westlichen Industrienationen.

 

»Dies ist die größte Studie, die die Häufigkeit der Adipositas in der Klinik erfasst. Sie bietet eine Momentaufnahme der Patienten weltweit«, erklärt Studienleiterin Dr. Beverley Balkau die Bedeutung des 2005 durchgeführten International Day for Evaluation of Abdominal Obesity (IDEA). Ende Oktober veröffentlichte ein internationaler Zusammenschluss von Epidemiologen  die Studie im Fachjournal »Circulation: Journal of the American Heart Association« (Doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.106.676379). In 63 Ländern auf sechs Kontinenten rekrutierten 6393 Hausärzte dazu an zwei halben Tagen Patienten zwischen 18 und 80 Jahren im Rahmen des regulären Praxisbetriebs. Diese Patienten stellten sie auf die Waage und maßen Größe und Taillenumfang. Bei der Auswertung stellten die Epidemiologen fest, dass von 98.750 Frauen 30 Prozent übergewichtig waren (Body-Mass-Index zwischen 25 und 30 kg/m²). Weitere 27 Prozent waren sogar fettleibig (BMI > 30 kg/m²). Bei den 69.409 Männern sah es ähnlich aus: 40 Prozent waren übergewichtig, zusätzliche 24 Prozent adipös. Die Forscher stellten außerdem den Taillenumfang fest, da er eng mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen korreliert. Nimmt man die Kriterien der International Diabetes Federation als Maßstab, sollte der Taillenumfang bei Männern weniger als 94 cm, bei Frauen weniger als 80 cm betragen. Tatsächlich liegen 56 Prozent der Männer und 71 Prozent der Frauen in den untersuchten Ländern über diesen Grenzwerten.

 

»Die Studienergebnisse zeigen, dass übermäßiges Körpergewicht pandemisch ist«, sagt Balkau. Der durchschnittliche BMI der Erdbewohner liegt bei 27 kg/m²; der Taillenumfang von Männern beträgt 95,8 cm, von Frauen 88,7 cm. Da auch Krankheitsdaten der Patienten vorlagen, konnten die Epidemiologen die Messwerte mit den Erkrankungen in Zusammenhang setzen. So erhöhen 14 cm mehr Taillenumfang bei Männern das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen um 35 Prozent, bei Frauen pro 15 cm um 40 Prozent. Auch das Diabetesrisiko steigt mit zunehmendem Taillenumfang und konnte das Dreifache bei Männern beziehungsweise das Sechsfache bei Frauen erreichen.

 

Die durchschnittlich dicksten Menschen finden sich von in Nordamerika, genauer in Kanada (die USA beteiligten sich nicht an der Studie). Dicht folgen die Menschen im Nahen Osten und in Südeuropa, die nordafrikanischen Frauen und die australischen Männer. Die Nordwesteuropäer liegen ungefähr auf dem Durchschnittsniveau, sind aber insgesamt zu dick. Die dünnsten Menschen leben in Ostasien. Allerdings liegt auch hier der Durchschnitt nicht weit entfernt von der Grenze zu Übergewicht und viszeraler Adipositas. Einzuschränken ist, dass die zentralafrikanischen Länder nicht an der Studie teilnahmen. Hier herrscht vielerorts noch Unterernährung vor.

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