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Kühle Mäuse leben länger

06.11.2006
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Kühle Mäuse leben länger

Von Christina Hohmann

 

37 Grad Celsius gilt als ideale Körpertemperatur. Nun zeigt eine US-amerikanische Studie, dass das Abkühlen der Kerntemperatur um ein halbes Grad auf 36,5 Grad Celsius die Lebenserwartung von Mäusen um 20 Prozent verlängert. Bei Menschen würde dies sieben bis acht zusätzliche Jahre bedeuten.

 

Seit Jahrzehnten ist Forschern bekannt, dass eine kalorienarme Ernährung das Leben von Mäusen und anderen Säugetieren um bis zu 40 Prozent verlängern kann. Dabei senkt das »Hungern« auch die Körpertemperatur um etwa ein halbes Grad. Bislang war aber unklar, ob die Abkühlung zum Anti-Aging-Effekt beiträgt oder nur eine Begleiterscheinung der kalorienreduzierten Ernährung ist. Dies zu testen, ist fast unmöglich, da Säugetiere ihre Körpertemperatur unabhängig von der Umgebungstemperatur halten können.

 

Wissenschaftler um Dr. Bruno Conti vom Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien, wandten daher einen Trick an. Sie benutzen das Gen uncoupling protein 2, das Mitochondrien daran hindert, die bei der Zellatmung freiwerdende Energie in chemischer Form zu speichern, wodurch sie als Wärme freigesetzt wird. Dieses Gen setzten die Forscher in Neurone ein, die sich in einer bestimmten Region des lateralen Hypothalamus in der Nähe des für die Thermoregulation verantwortlichen Areals befanden. Die manipulierten Nervenzellen erwärmten dieses »Thermostat«, weshalb die Körpertemperatur abgesenkt wurde (um etwa 0,3 bis 0,5 Grad).

 

Auf diese Weise gekühlte weibliche Mäuse lebten im Schnitt um 20 Prozent und männliche um 12 Prozent länger als Artgenossen mit einer Körpertemperatur von 37 Grad Celsius. Dabei schienen die Mäuse auch bis zum Lebensende ihre Gesundheit zu behalten, berichten die Forscher im Fachjournal »Science« (Band 314, Seite 825 bis 828). Die lebensverlängernde Wirkung könnte darauf zurückzuführen sein, dass eine Abkühlung der Körpertemperatur den Metabolismus verlangsamt. Dadurch würde auch die Entstehung schädlicher Zwischenprodukte wie freie Radikale gemindert.

 

Wenn eine niedrigere Körpertemperatur zu einem längeren Leben verhilft, warum hat sich in der Evolution dann eine Temperatur von 37 Grad Celsius beim Menschen und den meisten anderen Säugern durchgesetzt? Der Grund hierfür ist, dassdie niedrigere Körpertemperatur keinen Selektionsvorteil bietet, da sie die Zeitspanne nach der Fortpflanzung verlängert, die Reproduktionsrate selbst aber nicht beeinflusst. Die Forscher vermuten, dass einige Menschen eine geringfügig andere Kerntemperatur haben als der Durchschnitt und somit auch eine andere Lebenserwartung.

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