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Regionaldemonstration

Erfolg in jeder Beziehung

06.11.2006
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Regionaldemonstration

Erfolg in jeder Beziehung

Von Daniel Rücker, Leipzig

 

Der November ist der Monat des Protests. In vier deutschen Großstädten demonstrieren die Apotheker gegen die Gesundheitsreform. Der Auftakt in Leipzig war ein voller Erfolg. Mit mehr als 10.000 Teilnehmern übertraf die Beteiligung alle Erwartungen.

 

Dabei hatten die Organisatoren vor der Veranstaltung durchaus Sorgen. Mit rund 5000 Teilnehmern hatte man gerechnet, hieß es vom bei der Planung federführenden Sächsischen Apothekerverband (SAV). Gemeinsam mit den Berufsorganisationen aus Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Apothekengewerkschaft Adexa hatten die sächsischen Berufsorganisationen zur ersten Regionaldemonstration nach Leipzig aufgerufen. Tatsächlich kamen doppelt so viele.

 

Schon am Sammelpunkt vor dem Hauptbahnhof zeichnete sich ab, dass die Beteiligung die Erwartungen trotz Kälte, Regen und Sturm deutlich übertreffen würde. Zu Tausenden trafen dort PTAs und Apotheker, Pharmazie-Ingenieure und Studenten mit Zügen und Sonderbussen ein, um sich warm zu pfeifen, zu trillern und ihre Spruchbänder schon einmal in den teilweise sehr kräftigen Wind zu stellen.

 

Während ihres Protestmarsches durch die Leipziger Innenstadt machten die Demonstranten lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam. In Leipzig dürfte die Zahl der Menschen, die mit der Gesundheitsreform allein den Fonds verbinden, deutlich gesunken sein.

 

Der Ort der Abschlusskundgebung, der Nikolaikirchhof, platzte schnell aus allen Nähten. Nur ein Teil der Demonstranten passte auf den auch für Demonstrationen historischen Ort. In seinem Statement machte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf deutlich, weshalb die Apotheker gegen die Reform protestieren: »Wir setzen uns ein für ein Gesundheitswesen, in dem die Gesundheit der Patienten im Mittelpunkt steht, für den freien Heilberuf und die inhabergeführte Apotheke, für die preisneutrale Apothekenvergütung als Grundlage unabhängiger Beratung, für die flächendeckende wohnortnahe Arzneimittelversorgung rund um die Uhr und für qualifizierte Arbeitsplätze und eine sichere Arzneimittelversorgung.«

 

Doch auch der Rest der Republik hatte die Gelegenheit, seine Kenntnis über die verkorkste Gesundheitsreform deutlich zu erweitern. Nicht nur die Teilnehmerzahlen, sondern auch das Medienecho fiel größer aus als erwartet. Das zeichnete sich schon während des Pressebriefings vor Beginn der Kundgebung ab. Der angemietete Raum war übervoll. Medienvertreter von Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunkstationen und Fernsehsendern drängten sich.

 

Unmittelbar nach dem Ende der Veranstaltung gegen 12 Uhr berichteten die ostdeutschen Radiostationen über den Protest der Apotheker, die Kritik an der Rabatthaftung, die Ablehnung der Höchstpreisverordnung, die Sorge um die Arbeitsplätze und die Gefahren für die sichere und flächendeckende Arzneimittelversorgung. Einen Wegfall von bundesweit rund 20.000 Stellen hatte die Vorsitzende der Apothekengewerkschaft Adexa, Monika Oppenkowski, bereits während der Pressekonferenz prognostiziert; die Vorsitzende des SAV, Monika Koch, hatte vor einem Apothekensterben, das vor allem in ländlichen Gebieten zu Problemen führen werde, gewarnt. Ab Mittag erfuhren dies auch die Zuschauer von »Tagesschau« und »heute«. Die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen hielten die Meldung mit Bildsequenz über die Hauptnachrichten bis zu den Tagesthemen im Programm. Am nächsten Morgen berichteten zahlreiche Tageszeitungen über die Veranstaltung, nicht nur die aus dem Osten der Republik, sondern auch, weil die großen Agenturen mehrere Meldungen verbreitet hatten, aus dem übrigen Bundesgebiet. So viel Resonanz kann auch den Koalitionspolitikern nicht entgangen sein.

 

Der Verlauf der Leipziger Demonstration war sicher kein Wasser auf die Mühlen der Spötter und Kritiker der öffentlichen Apothekerproteste. Im Gegenteil: Das Konzept von Adexa, ABDA und Landesorganisationen ist vollständig aufgegangen. Die öffentliche Beachtung der Demonstration war extrem groß. Für die folgenden Veranstaltungen in München, Düsseldorf und Hamburg dürfte dies einen Schub bedeuten. Jetzt ist klar, dass der Protest nicht ungehört verhallt. Er ist vielleicht die letzte Chance, das Schlimmste noch zu verhindern. Der Stil der Berichterstattung gibt auch Anlass zur Freude. Die übliche Häme gegenüber vermeintlich wohlhabenden Apothekern fehlte weitgehend. Auch die Medien sehen sich bei der Gesundheitsreform nicht auf der Seite der Regierung.

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