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Interview

Druck auf die Politiker

07.11.2006
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Interview

Druck auf die Politiker

Von Daniel Rücker

 

Rund 10.000 Apothekenleiter und -angestellte demonstrierten am Mittwoch vor einer Woche in Leipzig. Die Hauptarbeit bei der Organisation leisteten der Sächsische Apothekerverband und seine Vorsitzende Monika Koch.

 

PZ: Sind Sie mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden?

Koch: Ich bin sehr zufrieden, eine so große Beteiligung habe ich nicht erwartet.

 

PZ: Was wollten Sie mit der Demonstration erreichen?

Koch: Wir haben in erster Linie erreicht, dass die Medien davon Kenntnis nehmen, dass Apotheker ebenfalls betroffen und nicht die Gewinner der Reform sind. Wir haben erreicht, dass die Abgeordneten den Druck im Wahlkreis fürchten und sich mit der anstehenden Gesetzesänderung vielleicht etwas näher auseinandersetzen. Wir haben erreicht, dass unsere Mitarbeiter über die drohenden Probleme unterrichtet sind. Und wir haben erreicht, dass unsere Patienten schon mal gehört haben, dass es bei den Apothekern wirtschaftlich auch nicht mehr so rosig aussieht.

 

PZ: Glauben Sie, dass die Politiker der großen Koalition sich von den Protesten der Apotheker beeindrucken lassen? Haben Sie Hoffnung, dass es noch Gesetzesänderungen geben wird, die die Gesundheitsreform für Apotheker erträglicher machen könnten?

Koch: Ohne diese Hoffnung hätten wir den Protest nicht organisiert. Es ist wichtig, dass die Apotheker sich nicht nur im Verbund mit anderen Gesundheitsberufen, sondern auch allein zu Wort melden und ihre eigenen Probleme aufzeigen. Darüber hinaus suchen wir aber auch den Schulterschluss mit den anderen Betroffenen, Ärzte, Krankenkassen, Krankenhäuser und so weiter.

 

Es wird sich zeigen, ob die große Koalition eine Politik gegen alle Beteiligten durchhält. In unserem Bereich würde die Änderung weniger Worte ausreichen, die Betroffenheit von existenzbedrohend zu schmerzhaft abzumildern.

 

PZ: Das Medienecho war deutlich größer als bei anderen Veranstaltungen der Apothekerschaft. Woran lag dies ihrer Meinung nach?

Koch: Einmal gab es diesen Aha-Effekt: Nun protestieren auch noch die Apotheker, von denen hat man bis jetzt noch nichts gehört. Dann hat die Medien, wie uns selbst ja auch, das Ausmaß der Beteiligung beeindruckt und nicht zuletzt hatten wir vielleicht ein bisschen Glück.

 

PZ: Die Veranstaltung dauerte vom Sammeln bis zum Ende der letzten Rede rund zwei Stunden. Wie viel Arbeitszeit hat der Sächsische Apothekerverband, der ja bei der Organisation der Leipziger Demonstration federführend war, in Planung und Umsetzung gesteckt?

Koch: Nils Werner, unser Referent für Marketing und Kommunikation hat seit der Entscheidung am 11. Oktober fast rund um die Uhr an der Vorbereitung der Veranstaltung gearbeitet. Die Geschäftsstelle war so stark in die Organisation eingebunden, dass die Vorbereitung unserer Mitgliederversammlung am 4. November etwas kurz ausfiel. Es ist schon unglaublich viel Arbeit. Wir konnten auch in vielen Fällen die Unterstützung der ABDA nicht nutzen, weil der Zeitdruck einfach zu groß war.

 

PZ: Die Demonstrationen sind vor allem für die Apothekenangestellten gedacht, weil diese als Erste die Konsequenzen der Reform zu spüren bekommen werden. Ist dieses Konzept aufgegangen?

Koch: Ja, unbedingt. Ich habe viele junge Gesichter gesehen. Die Aussage, dass in Zukunft der Chef mit einer Helferin allein in der Apotheke steht, ist realistisch und wird schneller eintreten als Apothekenschließungen.

 

Der Apotheker als Einzelkaufmann haftet mit seinem gesamten Privatvermögen. Jeder Inhaber hat eine Menge Verträge zu erfüllen, aus denen er gar nicht herauskommt, etwa die Miete, EDV-Verträge und anderes. Also wird er schon deshalb weitermachen, solange noch die Kosten erwirtschaftet werden. Deshalb sind Personalkostenreduzierung unausweichlich.

 

PZ: Mit wie vielen Teilnehmern war Ihre Apotheke vertreten?

Koch: An der Demonstration haben sich fünf meiner Mitarbeiter beteiligt, zwei haben zu Hause die Stellung gehalten.

 

PZ: ABDA, Kammern und Verbände organisieren die Demonstrationen zusammen mit der Apothekengewerkschaft Adexa. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern?

Koch: Die Apothekengewerkschaft Adexa hatte als Erstes den Vorstandsbeschluss gefasst, eine Protestkundgebung zu organisieren. Wir haben uns dem also nur angeschlossen. Die Zusammenarbeit hat wunderbar funktioniert.

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