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Medizinisches Cannabis ist eher nichts für Kinder

30.10.2017
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von Daniela Hüttemann / Die aktuelle Datenlage spricht nur in zwei Indikationen für den Einsatz von medizinischem Cannabis bei Kindern: Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen sowie Epilepsie.

 

Zu diesem Schluss kommen die Autoren eines Reviews, das jetzt im Fachjournal »Pediatrics« veröffentlicht wurde. Selbst in diesen Anwendungsfeldern sei der Nutzen gegenüber den Risiken, die bei Kindern und Jugend­lichen höher sind als bei Erwachsenen, aber genau abzuwägen, mahnen sie (DOI: 10.1542/peds.2017-1818).

Die Wissenschaftler um Dr. Shane Shucheng Wong vom Massachusetts General Hospital in den USA hatten die vorhandene Literatur zum Einsatz von Cannabis bei Kindern und Jugendlichen gesichtet. Nur 21 Veröffentlichungen mit insgesamt 795 Probanden entsprachen den Einschlusskriterien. Bei vielen dieser Studien war der Evidenzgrad als eher niedrig einzustufen: Nur fünf Studien waren randomisiert und kon­trolliert, bei den anderen handelte es sich um Fallberichte, Open-Label-Studien, Elternberichte oder Fallserien.

 

Sechs Studien untersuchten die Wirksamkeit von Cannabis bei Chemotherapie-bedingter Übelkeit und Erbrechen. Dabei war die Behandlung mit medizinischem Cannabis der Standardbehandlung mit antiemetischen Medikamenten über­legen. In elf Studien zum Einsatz bei Epilepsie konnte Cannabis die Anfallshäufigkeit reduzieren, sogar bei einigen bislang therapie­resistenten Patienten. Zwei Studien zum Einsatz von Cannabis bei Spastiken sowie drei Fallberichte bei neuropathischen Schmerzen, posttraumatischer Belastungsstörung und Tourette-Syndrom hatten keine Kontrollgruppen oder waren nicht verblindet. Zudem waren die Zusammensetzung der Cannabinoide und die Dosierung sehr heterogen.

 

»Aktuell haben wir keine gute Evidenz, dass Cannabis Kindern und Jugendlichen für andere Erkrankungen als Chemotherapie-bedingte Übelkeit und Erbrechen sowie Epilepsie helfen könnte«, fasst Wong zusammen. Ärzte und Familien sollten das wissen und immer einen erfahrenen Spezialisten zu Rate ziehen. Zu bedenken seien vor allem die Risiken für die Hirnentwicklung. So weiß man von der Nutzung zu Genusszwecken, dass Cannabis Lernen, Erinnerungsvermögen, Aufmerksamkeit und Problemlösungskompetenzen von Kindern und Jugendlichen negativ beeinflussen kann. /

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