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Cortison verbessert die Heilung – wenn das Timing stimmt

30.10.2017
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Cortison verbessert die Heilung – wenn das Timing stimmt

Von Annette Mende / Systemische Cortico­steroide können die Heilung von verletzten Sehnen verbessern, allerdings nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt gegeben werden. Einer Studie im Fachjournal »Scientific Reports« zufolge muss die erste Entzündungsphase abgewartet werden, in der verschiedene Immun­zellen an den Ort der Verletzung gelockt werden.

 

Sobald die Neubildung des ­Gewebes anläuft, sollte die Entzündung aber aufhören, weil sie ab diesem Zeitpunkt die Heilung behindert. Dann ist eine orale Gabe von zum Beispiel Dexamethason heilungsfördernd, wie Wissenschaftler um Parmis Blomgran von der Universität Linköping in Schweden berichten (DOI: 10.1038/s41598-017-12657-0).

Die Forscher machten ihre Beobachtung an Ratten, denen sie die Achillessehnen durchtrennt hatten. Tiere, die in den ersten vier Tagen nach dem Eingriff mit Cortison behandelt wurden, bildeten nur schwache, wenig stabile neue Sehnen. Erhielten die Ratten den Entzündungshemmer dagegen erst ab dem fünften Tag nach der Operation, besserte das die Qualität des gebildeten Kollagens. Ihre Sehnen waren dadurch mehr als doppelt so stark wie die von unbehandelten Kontrollen.

 

Wie lässt sich dieser Effekt erklären? In neu gebildeten Sehnen lagern sich die Kollagenfasern zunächst relativ ungeordnet übereinander. Erst im Verlauf reift das Gewebe und die Fasern organisieren sich in parallel ausgerichtete Bündel. »Dieser Prozess wird durch die Entzündung behindert«, erklärt Seniorautor Professor Dr. Per Aspenberg in einer begleitenden Pressemitteilung der Universität. Die Gewebereifung laufe schneller ab, wenn durch ein Cortico­steroid die Entzündung unterdrückt werde. /

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