Pharmazeutische Zeitung online
MS

Weniger Behinderungen dank neuer Therapien

01.11.2016
Datenschutz bei der PZ

Von Daniela Hüttemann / Verbesserte Therapiemöglichkeiten helfen Patienten mit Multipler Sklerose (MS), länger ihre Selbstständigkeit und Lebens­qualität zu erhalten. Darauf weist jetzt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hin und zitiert Daten einer klinischen Studie, die im August im Fachjournal »Annals of Neurology« erschienen ist (DOI: 10.1002/ana.24747).

 

Demnach sind 90 Prozent der MS- Patienten 17 Jahre nach Krankheitsbeginn noch in der Lage, alleine zu gehen. Früheren Schätzungen zufolge wären es ohne Therapie nur 50 Prozent.

 

»Was man bisher über den Langzeitverlauf der Multiplen Sklerose wusste, stammt aus Zeiten, in denen noch keine gezielte Therapie zur Verfügung stand, spiegelt also die Entwicklung der Symptome ohne Behandlung wider«, so Professor Dr. Heinz Wiendl von der DGN. Die neue Studie am MS-Zentrum der Universität Kalifornien in San Francisco beobachtete die 517 teilnehmenden Patienten im Mittel über zehn Jahre. Ein Großteil der Patienten hatte zu Beginn eine Basistherapie mit Interferon-β-1b, Interferon-β-1a oder Glatirameracetat erhalten. Trat eine deutliche Verschlechterung auf, kamen Antikörper wie Natalizumab und Rituximab oder auch Mitoxantron und Cyclophosphamid zum Einsatz. Neuere Präparate wie Fingolimod, Dimethyl­fumarat und Teriflunomid wurden ebenfalls (im späteren Studienabschnitt) verabreicht.

 

Überraschend sei auch gewesen, dass lediglich 18,1 Prozent der Patienten, die anfangs mit der schubförmigen Form der MS (RRMS) diagnostiziert wurden, eine sekundär progrediente MS (SPMS) entwickelten. Ohne Behandlung würden mindestens doppelt so viele Patienten einen schwereren Verlauf erleiden. Die SPMS wird meist als zweites Krankheitsstadium betrachtet und ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Behinderungen und Läsionen im Gehirn der Patienten zwischen den Schüben kaum noch zurückbilden.

 

Zufrieden sind die Neurologen mit den derzeitigen Therapiemöglichkeiten noch nicht: »Obwohl es den Kollegen aus San Francisco gelungen ist, den Krankheitsverlauf abzumildern, erlitten über die Zeit 59 Prozent der Studienteilnehmer eine klinisch signifikante Behinderung. Das illustriert den anhaltenden Bedarf an effektiveren krankheitsmodifizierenden Therapien für die schubförmige MS und generell für effektive Therapien gegen die progrediente MS«, betonte Wiendl. /

Mehr von Avoxa