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Ebola

Supportivtherapie nicht vernachlässigen

28.10.2014
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Von Annette Mende / Bei allem Nachdruck, mit dem zurzeit weltweit nach Wirkstoffen gegen das Ebola-Virus gesucht wird, dürfen die momentan zur Verfügung stehenden therapeutischen Mittel nicht außer Acht gelassen werden. Darauf weisen Ärzte des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) im »New England Journal of Medicine« hin.

Das Ärzteteam um Dr. Benno Kreuels und Dr. Dominic Wichmann berichtet von einem Ebola-Patienten, der auf der Isolierstation des UKE einzig mit supportiven Maßnahmen behandelt wurde und jetzt geheilt entlassen werden konnte (DOI: 10.1056/NEJMoa1411677). Der 36-jährige Mann aus dem Senegal, der als Epidemiologe für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Sierra Leone im Einsatz war, hatte sich vermutlich bei einem Arbeitskollegen mit dem Ebola-Virus infiziert.

 

Enormer Flüssigkeitsverlust

 

Bei seiner Einlieferung ins UKE am zehnten Krankheitstag war sein Zustand stabil, er hatte aber erhöhte Körpertemperatur. Die Ärzte konstatierten unter anderem eine Dehydratation, eine leichte Hypokaliämie und eine Darmlähmung. Der Patient erhielt intra­venös Mittel gegen Übelkeit und Fieber sowie Elektrolyte, Flüssigkeit und im Verlauf auch Nahrung, da er oral weder Medikamente noch Nahrung aufnehmen konnte. Der Flüssigkeitsverlust über den Stuhl war enorm: Während der ersten drei Behandlungstage im UKE verlor er mehr als 8 Liter Wasser in 24 Stunden über den Stuhl.

 

Eine Superinfektion mit einem gramnegativen Bakterium, das resistent gegen Ampicillin, Ciprofloxacin und Cephalosporine der dritten Generation war, bekamen die Ärzte erst mit dem Reserve-Antibiotikum Meropenem in den Griff. Sie vermuten, dass der Verlust der Barrierefunktion der Darmmukosa die Einwanderung der Bakterien in die Blutbahn begünstigte. Nachdem sich der Zustand des Patienten zwischenzeitlich stark verschlechterte – eine Enzephalopathie führte zu Delir und Halluzinationen, aufgrund einer akuten respiratorischen Insuffizienz musste er beatmet werden – besserte er sich allmählich, nachdem am Erkrankungstag 17 keine Ebola-Viren im Blut mehr nachweisbar waren.

 

Die Erreger hielten sich allerdings bemerkenswert lange in Urin und Schweiß: Urinproben wurden erst ab Erkrankungstag 30 negativ getestet, im Schweiß war Ebola-RNA sogar erst ab Tag 40 nicht mehr nachweisbar. Nachdem die Tests sämtlicher Körperflüssigkeiten 20 Tage lang negativ waren, wurde der Patient entlassen und konnte zu seiner Familie in den Senegal zurückkehren.

 

Dieser Fall zeigt, dass auch schwere Verläufe einer Ebola-Infektion durch die bestmögliche intensivmedizinische Betreuung behandelt werden können, ohne dass kausale Therapien zur Verfügung stehen, so das Fazit der Mediziner. Sie schließen sich damit der Meinung einer Autorengruppe um den Kanadier Dr. François Lamontagne von der Universität Sherbrooke an, die diese ebenfalls im »New England Journal of Medicine« vertritt (DOI: 10.1056/NEJMp1411310).

 

Nihilismus fehl am Platz

 

Lamontagne und Kollegen warnen davor, angesichts der hohen Sterblichkeit der Ebola-Infektion in Nihilismus zu verfallen und unterstützende Maßnahmen wie die parenterale Rehydratation zu vernachlässigen. Venenkatheter, Flüssigkeit und Elektrolytkonzentrate seien verfügbar, würden aber viel zu selten eingesetzt. Zwar sei unstrittig, dass für die Behandlung der Ebola-Erkrankten zu wenig spezialisiertes Personal zur Verfügung stünde, doch brauche es für diese grundlegende Versorgung der Patienten keine Fachausbildung in Tropenmedizin oder Infektiologie. /

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