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Schweizer Apotheken

Rx ohne Rezept

25.10.2017
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Von Anna Pannen / In der Schweiz sollen Apotheker bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente künftig ohne Rezept abgeben dürfen. Möglich macht das eine Änderung des Heilmittelgesetzes.

Schweizer Patienten sollen bald rezeptpflichtige Medikamente in der Apotheke kaufen können, ohne vorher zum Arzt zu gehen. Das sieht eine geplante Novellierung des Schweizer Heilmittelgesetzes vor. Das sogenannte Vernehmlassungsverfahren dazu ist in der vergangenen Woche zu Ende gegangen. In dieser Vorbereitungsphase zum eigentlichen Gesetz werden Expertenmeinungen und Stellungnahmen eingeholt.

 

In Zukunft sollen Apotheker bei bestimmten Indikationen Medikamente der in der Schweiz gültigen Kategorie B ohne ärztliche Verschreibung an Patienten abgeben. Welche genau, steht noch nicht fest – es sollen aber vor allem häufig nachgefragte Präparate sein. In die Kategorie B fallen etwa hoch dosierte Nichtopioid-Analgetika, Statine, Glucocorticoide zur oralen Anwendung und bestimmte Kontrazeptiva. Bislang ebenfalls in Kategorie B eingeteilte Antibiotika sollen weiterhin nur mit Arztrezept erhältlich sein.

 

Die Gesetzesänderung solle den Bürgern den Zugang zu Arzneimitteln ­erleichtern, erklärte das Schweizer ­Bundesamt für Gesundheit. Der Schweizerische Apothekerverband Pharmasuisse begrüßte die Kompetenz­ausweitung für Apotheker. Sie könnten so Hausärzte und Krankenhäuser entlasten, sagte Verbandspräsident Fabian Vaucher der »Luzerner Zeitung«. Die zusätzliche Beratungszeit müsse aber auch honoriert werden.

 

Weniger gut gefällt den Apothekern eine weitere geplante Neuerung im Gesetz: Sie regelt, dass in der Schweiz künftig mehr Medikamente in Drogerien verkauft werden können. Dazu gehören niedrig dosierte Nichtopioid-Analgetika und weitere OTC. »Medikamente sind keine harmlosen Konsumgüter«, warnte Vaucher. Es dürfe nicht sein, dass Patienten Kopfschmerztabletten einkauften wie Joghurt und Brotaufstrich.

 

Mit der Gesetzesänderung sollen künftig auch die Zulassungsverfahren für Medikamente einfacher und Nebenwirkungen schneller gemeldet werden können. Außerdem soll der Antibiotikagebrauch in der Tiermedizin besser überwacht werden und Hersteller sollen Vorteile bekommen, wenn sie Arzneimittel speziell für Kinder oder gegen seltene Erkrankungen entwickeln. /

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