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Hessen

175 Jahre Apothekerverband

22.10.2014  07:36 Uhr

Von Daniel Rücker, Wiesbaden / Der Hessische Apotheker­verband (HAV) feiert ein bemerkenswertes Jubiläum. Vor 175 Jahren haben Apotheker in Zwingenberg an der Bergstraße die Vorläufer-Organisation der Interessensvertretung der hessischen Apotheker gegründet.

Schon damals sei das Ziel des Verbandes gewesen, die wirtschaftliche Situation der Apotheker zu fördern und die pharmazeutische Wissenschaft voranzubringen, erklärte der Verbandsvorsitzende Peter Homann bei einer Festveranstaltung am Montag in Wiesbaden. Auch gefälschte Arzneimittel seien bereits damals ein Thema gewesen, ebenso die Beibehaltung des Konzessionssystems, die Arzneimittelpreise und der Umgang mit sogenannten Geheimmitteln. Insgesamt hat sich das Konzept Apothekerverband als Interessensvertretung bewährt. Nach Homanns Angaben sind heute 95 Prozent der hessischen Apothekenleiter Verbandsmitglied.

 

In Grußworten betonten der hessische Justizstaatssekretär Thomas Metz und der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands, Fritz Becker, die Bedeutung des HAV. Metz lobte die Absicht des Verbands, in Zukunft intensiver mit den Ärzten zusammenzuarbeiten. Ein gemeinsames Medikationsmanagement sei für die Patienten wichtig. Becker attestierte dem HAV und seinem Chef Homann Beharrlichkeit und Beweglichkeit, Innovationskraft und Kompromissbereitschaft.

 

Im Festvortrag ging der Medizinhistoriker Professor Paul Unschuld auf den tiefgreifenden Wandel vom Gesundheitswesen zur Gesundheitswirtschaft ein. Unschuld kritisierte dabei heftig die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens. Heute seien Krankenhäuser nicht mehr in erster Linie für die Patienten da, sondern dafür, den Investoren der privatisierten Einrichtungen eine ansprechende Rendite zu bescheren. Unschuld hält diesen Trend für unumkehrbar. Die Politik sei nicht in der Lage, diese Entwicklung zu steuern. Die Verlierer dieser Entwicklung seien neben den Patienten die Ärzte, die nicht mehr nach medizinischen Erwägungen handeln könnten.

 

In der anschließenden Podiumsdiskussion betonte HAV-Vize Hans Rudolf Diefenbach die Bedeutung der Beratung und Betreuung der Patienten in den Apotheken. Die ehemalige Gesundheitsministerin Professor Ursula Lehr (CDU) forderte die Apotheker auf, sich noch intensiver um multimorbide Patienten zu kümmern. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche bezeichnete die Apotheker als ersten Ansprechpartner der Patienten. Viele kämen in die Apotheke, noch bevor sie zum Arzt gehen. Die Apotheker hätten hier eine große Verantwortung. /

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