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Protestveranstaltungen

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

23.10.2006  11:10 Uhr

Protestveranstaltungen

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Von Daniel Rücker

 

Mit guten Argumenten haben die Apotheker bislang wenig erreicht. Die große Koalition will die im GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) vorgesehenen Neuregelungen zur Arzneimittelversorgung nicht mehr ändern. Die Apotheker haben deshalb den November zu ihrem Protestmonat erklärt. In vier deutschen Großstädten wollen Leiter und Mitarbeiter gegen die verunglückte Reform demonstrieren.

 

Unermüdlich hatten ABDA, Landesapothekerkammern und -verbände versucht, der Koalition die fatalen Konsequenzen der für den Arzneimittelbereich geplanten Regelungen zu verdeutlichen. Am Ende ohne Erfolg. Auch im abgestimmten Referentenentwurf sind die Rabatthaftung der Apotheker die Umstellung der Arzneimittelpreisverordnung auf Höchstpreise, die Erlaubnis auf einen Teil der Zuzahlung zu verzichten und andere für die öffentlichen Apotheken ruinöse Vorhaben weiter enthalten. Hoffnung auf Einsicht gibt es nicht mehr. »Uns reicht es jetzt,« stellte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf deshalb von der Politik enttäuscht fest. »Die Reform gefährdet die wohnortnahe, flächendeckende Arzneimittelversorgung rund um die Uhr.« Sie löse aber keines der Probleme im Gesundheitswesen.

 

Protest in vier Städten

 

Die Apotheker werden in den kommenden Wochen ihren Protest auf die Straße tragen. Der Startschuss fällt am 1. November um 11 Uhr auf dem Nikolaikirchhof in Leipzig. Gemeinsam wollen Apothekenleiter, angestellte Apotheker, PTA, Pharmazie-Ingenieure und PKA für den Erhalt der Apotheken und ihre rund 140.000 Arbeitsplätze sowie eine sichere und flächendeckende Arzneimittelversorgung demonstrieren. In den folgenden Wochen werden, jeweils mittwochs, weitere Kundgebungen folgen, am 8. November in München auf dem Franz-Joseph-Platz, am 15. November in Düsseldorf auf dem Burgplatz und am 22. November auf dem Hachmannplatz in Hamburg.

 

Die von ABDA und der Apothekengewerkschaft Adexa gemeinsam initiierten Veranstaltungen wurden von den Landesapothekerkammern und -verbänden sowie den Gewerkschaftsvertretern regional geplant. Die vier Orte wurden so gewählt, dass Apotheker aus dem gesamten Bundesgebiet die Möglichkeit haben, zumindest an einer Demonstration teilzunehmen. In Leipzig treffen sich die Pharmazeuten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin und Brandenburg; nach München kommen Bayern und Baden-Württemberger; nach Düsseldorf die Apotheker aus NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland und Hamburg ist der Demonstrationsort für Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 11 Uhr und in Düsseldorf um 12 Uhr.

 

Apotheker, die eine der Veranstaltungen besuchen wollen, können sich an ihre Landesorganisationen oder an Adexa wenden. Diese kümmern sich um Busse und Bahnen, die die Demonstranten zu den Veranstaltungsorten bringen. Die Veranstalter hoffen, dass zu jeder der vier Kundgebungen mehrere Tausend Apotheker und Apothekerinnen kommen. Angesichts der Bedrohung für die Apotheken, die vom WSG ausgeht, sollte die Teilnahme an den Veranstaltungen selbstverständlich sein.

 

Klar ist aber auch, dass die Patienten nicht die Leidtragenden dieser Protestrunde sein sollen. Deshalb soll flächendeckend eine ausreichende Zahl von Apotheken geöffnet bleiben. Nach den Vorstellungen von ABDA und Adexa sollten in erster Linie die Apothekenleiter den Notdienst übernehmen. Die Angestellten seien wahrscheinlich über den Abbau von Arbeitsplätzen noch stärker von der Reform betroffen und sollten in jedem Fall die Gelegenheit bekommen, ihren Unmut auszudrücken.

 

Die Vorbereitungen für die Demonstrationen laufen an allen vier Veranstaltungsorten auf Hochtouren. Federführend sind jeweils die Kammern und Verbände, in deren Einzugsgebiet demonstriert wird, also Sachsen, Bayern, Nordrhein und Hamburg. Am weitesten fortgeschritten sind die Vorbereitungen naturgemäß in Leipzig, da dort am kommenden Mittwoch die erste Kundgebung stattfindet. Hier stehen mit der Adexa-Vorsitzenden Monika Oppenkowski und der Vorsitzenden des Sächsischen Apothekerverbandes, Monika Koch, bereits die Hauptredner fest. In den anderen Städten ist man noch nicht so weit. Zwar ist auch hier klar, dass vor allem Vertreter von Kammern, Verbänden und von Adexa zu Wort kommen, die Namen stehen aber noch nicht fest. Auch bemüht man sich, etwa in Nordrhein, um Redner außerhalb der Apothekerschaft.

 

Intensiv kümmern sich die Organisatoren auch um die Information aller Apotheker und der anderen Apothekenmitarbeiter sowie um deren Ausrüstung mit Spruchbändern, T-Shirts, Trillerpfeifen und Ähnlichem am Protesttag. Die Veranstaltungen sollen in jedem Fall so groß und laut werden, dass sie gehört werden. Nur dann haben die Apotheker eine Chance, die Politik zum Einlenken zu bewegen.

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