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Zelluläre Türsteher

Peptide halten Influenzaviren draußen

18.10.2017
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Ein US-amerikanisches Forscherteam hat synthetische Peptide entwickelt, die gegen eine ganze Reihe von Influenzaviren wirken. Sie inhibieren die Fusion des ­Virus mit der Wirtszelle und somit dessen Eintritt in diese, berichten die Forscher um Dr. Rameshwar U. Kadam vom The Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien, im Fachjournal »Science« (DOI: 10.1126/science.aan0516).

 

Als Vorbild dienten ihnen zwei sogenannte Superantikörper, die quasi gegen alle Influenza-A-Stämme wirksam sind. Seit ihrer Entdeckung in den Jahren 2011 und 2012 wurde auf atomarer Ebene aufgeklärt, wie diese Antikörper an das Virus binden. Sie zielen auf die transmembrane Domäne des Virus­oberflächenproteins Hämagglutinin (HA), das durch Bindung an einen Rezeptor auf Wirtszellen den Zelleintritt einleitet.

Für die Fusion mit der Zellmembran ist eine Konformationsänderung des HA notwendig, die die Super­antikörper unterbinden. Während der außen liegende Bereich des HA hoch­variabel ist, bleibt die transmembrane Domäne des Virusproteins weitest­gehend unverändert. Antikörper, die an diese Struktur binden, sind daher sehr breit wirksam.

 

Den Forschern gelang es, vier kleine zyklische Peptide zu entwickeln, die ebenfalls gegen die hochkonservierte HA-Stammregion gerichtet sind. In Zellversuchen zeigten die Peptide eine hohe Bindungsaffinität zu verschiedenen Stämmen von Influenza-A-Viren der Gruppe 1. Sie blockierten bei diesen ebenfalls die für den Zelleintritt nötige HA-Konformationsänderung, berichten die Forscher.

 

Die synthetischen Peptide enthalten spezielle Aminosäuren, die nicht in natürlichen Proteinen vorkommen. Dies und ihre zyklische Form stabilisieren die Peptide, die ansonsten im Blut rasch enzymatisch abgebaut würden. Eines von ihnen war nach Stunden noch im Blut von Mäusen nachweisbar. Die Peptide hätten eine Arzneistoff-ähnliche Stabilität und seien gute Kandidaten für weitere Tierversuche zur antiviralen Wirksamkeit, so Kadam in einer Pressemitteilung des Forschungsinstituts.

 

Der Vorteil der Peptide gegenüber Antikörpern ist, dass sie deutlich kleiner und somit einfacher und billiger herzustellen sind. Antikörper müssen zudem via Injektion oder Infusion appliziert werden, während sich die Pep­tide nach Meinung der Forscher für die orale Anwendung eignen. /

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