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Drei neue Orphan Drugs zur Zulassung empfohlen

18.10.2016
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Drei neue Orphan Drugs zur Zulassung empfohlen

Von Kerstin A. Gräfe / Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europä­ischen Arzneimittelagentur hat die Zulassung von drei neuen Wirk­stoffen empfohlen: Obeticholsäure (Ocaliva®) gegen Gallencholangitis, Venetoclax (Venclyxto®) für Leukämie-Patienten und Mercaptamin-Augentropfen (Cystadrops®) zur Behandlung von Hornhaut-Cystin-Kristallablagerungen bei der angeborenen Stoffwechselerkrankung Cystinose. Alle drei Indikationen sind seltene Erkrankungen.

 


Ocaliva ist vorgesehen zur Behandlung der primären Gallencholangitis (auch bekannt als primäre biliäre Zirrhose, PBC) entweder in Kombination mit Urso­deoxycholsäure (UDCA) bei Erwachsenen mit einem unzureichenden Ansprechen auf UDCA oder als Mono­therapie bei Erwachsenen, die UDCA nicht vertragen. PBC ist eine Erkrankung der Leber, die mit einer auto­immun bedingten Zerstörung der Gallengänge einhergeht. UDCA ist derzeit das einzige zur PBC-Behandlung zugelassene Medikament.

 

Obeticholsäure ist ein Agonist am Farnesoid-X-Rezeptor, der in Leber und Darmtrakt gebildet wird und eine Schlüsselrolle in der Regulation der Gallensäuren, bei Entzündungsprozessen sowie bei der Fibrosierung und anderen Stoffwechselvorgängen spielt. Sicherheit und Wirksamkeit von Ocaliva wurden in der Phase-III-Studie POISE nachgewiesen. Als Indikator für die Progression der Krankheit diente darin der Serum­spiegel der alkalischen Phosphatase. Dieser konnte nach zwölf Monaten bei 46 Prozent der mit Ocaliva behandelten Patienten gesenkt werden, unter Placebo dagegen nur bei 10 Prozent. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Juckreiz der Haut und Müdigkeit. Beides sind allerdings auch Symptome der Grunderkrankung. Ocaliva soll als 5-mg- und 10-mg-Tabletten auf den Markt kommen.

 

Neue Option bei CLL

 

Venclyxto soll bei Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) eingesetzt werden, die eine chromosomale 17p-Deletion oder eine Muta­tion des TP-53-Gens aufweisen und nicht für eine Behandlung mit einem B-Zell-Inhibitor infrage kommen oder darauf nicht angesprochen haben. Zudem soll das Mittel bei Patienten angewendet werden, die besagte Deletion beziehungsweise Mutation nicht aufweisen und weder auf eine Chemotherapie noch auf eine B-Zell-Inhibitor-Behandlung angesprochen haben.

 

Venetoclax ist ein oral bioverfüg­barer Inhibitor des Proteins BCL-2, das bei CLL und beim Non-Hodgkin-Lymphom exprimiert wird und eine wichtige Rolle bei der Apoptose spielt. Durch die BCL-2-Blockade wird vermutlich die Signalkaskade wiederhergestellt, die Krebszellen in den Zelltod treibt. Die Zulassung basiert auf einer einarmigen Phase-II-Studie, in der eine Monotherapie mit Venetoclax bei einem vorab definierten Anteil der Patienten mit vorbehandelter, rezidivierter oder refraktärer CLL mit 17p-Deletion zu einer klinisch bedeutsamen Reduktion der Anzahl an Krebszellen führte. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Neutropenie, Durchfall, Übelkeit, Anämie, obere Atemwegsinfektionen, Müdigkeit, Hyperphosphatämie, Erbrechen und Verstopfung.

 

Kristalle schädigen Organe

 

Die vom CHMP zur Zulassung empfohlenen Cystadrops enthalten Mercapt­amin in einer Konzentration von 3,8 mg pro g. Die Augentropfenlösung soll zur Behandlung von Erwachsenen und Kindern ab zwei Jahren mit Cystinose und Hornhaut-Cystin-Kristalleinlagerungen dienen. Cystinose ist eine angeborene Krankheit, bei der sich über­mäßige Mengen der im Körper natürlich vorkommenden Aminosäure Cystin in den Zellen, insbesondere der Nieren und Augen, ansammeln und diese schädigen.

 

Mercaptamin reagiert mit Cystin zu Cystein und Cystein-Cysteamin-Salz, das der Körper aus den Zellen entfernen kann. Dadurch verringert sich der Cystingehalt in den Organen, wodurch Schädigungen begrenzt werden. Häufigste Nebenwirkungen sind Augenschmerzen, Augenhyperämie, Augenpruritus, vermehrte Tränenbildung, verschwommenes Sehen und Augenreizung. /

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