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Pharma international

Steigende Umsätze und Industrie 4.0

13.10.2015  16:39 Uhr

Von Ev Tebroke / Die internationale Pharmabranche blickt optimistisch in die Zukunft. Einer Studie der Mannheimer Unternehmensberatung Camelot zufolge erwarten die meisten Firmen steigende Umsätze. Die Möglichkeiten der Digitalisierung gewinnen allerdings nur allmählich an Relevanz.

Für die Bewertung des Geschäftsklimas im internationalen Pharmamarkt, dem halbjährlich erscheinenden sogenannten Pharma Management Radar, hatten die Analysten 30 Führungskräfte von weltweit tätigen Pharmaunternehmen aus 16 Ländern und 4 Kontinenten befragt. Demnach rechnen mehr als 90 Prozent der Befragten in den nächsten 12 Monaten mit steigenden Umsatzahlen. Lediglich 7 Prozent erwarten Umsatzverschlechterungen. Erstmals geht die Branche auch von steigenden Mitarbeiterzahlen aus. So planten mehr als 75 Prozent der Umfrageteilnehmer, die Zahl der Mitarbeiter konstant zu halten oder sogar zu erhöhen, heißt es.

Russland erholt sich

 

»Die Pharmabranche ist weiter im Aufwind«, so Josef Packowski, Managing Partner bei Camelot. Das größte Potenzial beim Umsatzwachstum sehen die Unternehmen laut Studie in Nordamerika und China. In Russland scheint sich der Markt langsam wieder zu stabilisieren. Vor einem halben Jahr war das Land aufgrund der politischen Lage und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Einbußen noch Schlusslicht bei den Umsatzerwartungen. Mittlerweile schätzen zwei Drittel der Studienteilnehmer die Nachfragesituation auf dem russischen Markt deutlich optimistischer ein.

 

Als wichtigste Investitionsmärkte gelten ebenfalls Nordamerika und China: Jeweils 54 Prozent der Befragten wollen innerhalb der kommenden 12  Monate dort Investitionen tätigen. Der deutsche Markt gilt ebenfalls als attraktiv: 46 Prozent planen hier Investitionen. Südeuropa und das Vereinigte Königreich haben den Analysten zufolge hingegen an Boden verloren: Nur 8  Prozent beziehungsweise 4 Prozent der Unternehmen beabsichtigen dort Kapital einzubringen. Wieder bergauf geht es für den russischen Markt: Hier wollen 38 Prozent der Befragten demnächst investieren.

 

Was die wirtschaftliche Risikobewertung betrifft, so ist die Angst vor Umsatzeinbußen aufgrund von Patentausläufen nach wie vor groß. 48  Prozent der Befragten sehen dies als Hauptrisikofaktor, ein Hinweis darauf, dass für viele Hersteller in Kürze der Patentauslauf umsatzträchtiger Medikamente ansteht. Als großes Risiko gelten zudem politische Krisen in Wachstumsmärkten. 48 Prozent der Studienteilnehmer fürchten dadurch mögliche Umsatzeinbrüche. Lieferunfähigkeit hingegen scheint den Unternehmen nicht mehr so viele Sorgen zu bereiten: Fürchten aktuell noch 8  Prozent Engpässe, so waren es vor sechs Monaten noch 39 Prozent. Die Analysten gehen davon aus, dass die Branche hier mit erhöhten Produktionskapazitäten oder Lagerbeständen vorgesorgt hat.

 

Einfluss der Digitalisierung

 

Um weiter wachsen zu können, setzen mittlerweile 76 Prozent der Befragten auf Kostensenkungen, vor einem halben Jahr waren es noch 52  Prozent. Auch das Thema Produkt­innovationen durch Forschungskooperationen wird wichtiger. Aktuell benennen dies 44 Prozent als Schlüsseltrend (vor sechs Monaten: 26 Prozent). Eine immer wichtigere Rolle nehmen zudem Arzneimittel-unabhängige Angebote ein, so etwa internetfähige Geräte und Dienste. Die Relevanz dieser Angebote ist seit der letzten Umfrage rasant gestiegen: Waren es zunächst noch 13 Prozent, so halten mittlerweile 44 Prozent der Befragten diesen Bereich für wichtig.

 

In der zunehmenden Digitalisierung und den damit verbundenen Möglichkeiten sieht die Pharmabranche grundsätzlich Potenzial. 60 Prozent messen dieser sogenannten Industrie 4.0 insbesondere im Logistikbereich in den nächsten fünf Jahren eine große Bedeutung bei. Im Bereich Verkauf und Marketing liegen die Zahlen mit 45 Prozent etwas niedriger. Für die Forschung hat dieser Bereich zunächst noch kaum Bedeutung: 75 Prozent der Befragten erwarten hier keine großen Auswirkungen. Erst in 15  Jahren wird die Digitalisierung alle Bereiche der Pharmabranche deutlich beeinflussen, so die Erwartung. /

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