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Expopharm-Eröffnung

»Wir sind nicht zufrieden«

16.10.2012
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Die Apotheker sind mit der Anpassung ihrer Honorierung nicht zufrieden. Ärger gibt es auch mit den Krankenkassen. Auf der Habenseite verbuchen sie dagegen die Fortschritte beim ABDA-KBV-Modell und bei der Initiative Securpharm. DAV-Vorsitzender Fritz Becker zog eine durchwachsene Bilanz.

Erstes Thema war auch bei der Eröffnung der Expopharm die Honoraranpassung der Apotheker. Mit der ist Becker keinesfalls zufrieden. Er machte aber auch klar: »Es gab bei der Novellierung der Arzneimittelpreisverordnung für uns nichts zu verhandeln. Hierfür waren allein das Bundeswirtschafts- und Bundesgesundheitsministerium verantwortlich.« Die ABDA habe zwar fundierte Zahlen der Treuhand zur Verfügung gestellt, doch wurden die von den Ministerien nicht berücksichtigt, sagte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV). Nach den Berechnungen der Treuhand waren die Apotheken vor der Anpassung um rund 600 Millionen Euro unterfinanziert. Daraus konnte man ableiten, dass der Anpassungsbedarf bei 1 Euro pro Packung lag. Obwohl auch in den Ministerien die Zahlen der Treuhand grundsätzlich anerkannt worden seien, wich die Entscheidung über die Honoraranpassung mit 25 Cent deutlich vom eigentlichen Bedarf ab. Becker: »Das Ergebnis ist ausschließlich politisch motiviert.« Die Regierung habe Sorgen vor der medialen Reaktion gehabt und deshalb die Steigerung des Rohertrags in die Berechnung einbezogen.

Becker bezeichnete dieses Ergebnis als enttäuschend. Es sei klar gewesen, dass die Anpassung der vergangenen neun Jahre nicht auf einmal nachgeholt werde. Die Rechenmethodik des Bundeswirtschaftsministeriums sei aber indiskutabel, da sie leistungsfeindlich sei. Der Protest der Apotheker sei deshalb nachvollziehbar. Und er zeige auch Wirkung. Nach den Warnstreiks in Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit einem guten Medienecho und verständnisvollen Reaktionen von Patienten habe die Politik noch einmal nachgelegt und eine bessere Vergütung des Nachtdienstes angeboten.

 

Becker hält dies für sinnvoll. Die Nachtdienstpauschale stütze vor allem Apotheken auf dem Land. Einen Wermutstropfen gibt es dabei aber noch. Becker: »Die Regelung ist noch nicht verabschiedet.« Sie dürfe nicht den Weg des Pick-up-Verbots nehmen. Insgesamt fällt sein Urteil zur Honoraranpassung aber negativ aus: »Können wir damit zufrieden sein? Nein, wir sind nicht damit zufrieden!« Die Apotheken seien weiter unter­finanziert. Zudem fehle eine Regelung zur Überprüfung des Anpassungsbedarfs.

 

Die Honoraranpassung ist für dieses Jahr wohl abgeschlossen. Die größte Baustelle der nächsten Zeit sind nun die Verhandlungen zum Apothekenabschlag. Hierzu bekräftigte Becker seine Position, dass die Verhandlungen auf der Basis von 1,75 Euro beginnen müssten. Die Erhöhung sei ein befristetes Sonderopfer für zwei Jahre gewesen. Dies habe Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) in einem PZ-Interview bestätigt.

Becker hofft bei den Verhandlungen auf eine einvernehmliche Lösung mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Sollte die GKV dies blockieren, rechnet er mit öffentlichen Protesten der Apotheker. Die ABDA-Mitgliederversammlung habe die Mittel dafür bereits freigegeben.

 

Den Konfrontationskurs der Kassen hält Becker für falsch. Apotheker und Kassen sollten eigentlich Partner sein. Dass sie es nicht sind, liege vor allem an Rabattverträgen und der zunehmenden Flut an Retaxationen, sagte Becker. Die Kassen gingen davon aus, dass die Apotheker ihre Verträge korrekt umsetzten. Statt dies zu würdigen, überzögen die Krankenkassen die Apotheker immer wieder, so Becker, mit »abenteuerlichen Mahnschreiben in belehrendem bis drohendem Ton«.

 

Grundsätzlich sieht er bei Rabattverträgen Korrekturbedarf. Apotheker könnten sich nicht damit abfinden, dass bei neuen Verträgen oftmals die Medikamente gar nicht oder zumindest nicht in ausreichendem Maße verfügbar seien. Dies bedeute viel Mehrarbeit, schade der Glaubwürdigkeit der Apothekerinnen und Apotheker und belaste die Patienten – auch weil die Angst vor Retaxationen verhindere, dass Apotheker, sollten Arzneimittel nicht lieferbar seien, ihre Patienten schnell mit einem anderen Medikament versorgen.

 

Becker ist auch aus einem anderen Grund über das Verhalten der Kassen verärgert. Es sei vollkommen unverständlich, dass diese trotz hoher Überschüsse ihre Begehrlichkeiten immer weiter ausbauten. Bei teuren Arzneimitteln werde es in Zukunft häufig einen Erstattungspreis geben, der unter dem Herstellerabgabepreis liege. Nach der Ansicht der Bundesregierung soll dieser Erstattungspreis in Zukunft die Basis für die Aufschläge von Großhandel und Apotheken sein, obwohl sich diese nach dem Gesetz auf den Listenpreis beziehen sollten. Die Kassen wollen nun durchsetzen, dass die Aufschläge möglichst schnell nach den Erstattungspreisen berechnet werden. Für Apotheker und Großhandel hätte dies naturgemäß negative Konsequenzen bei der Höhe der Vergütung. Apotheker, Großhandel und Industrie forderten hier deshalb unisono eine weitere Orientierung am Listenpreis.

 

Neben einer Vielzahl von Problemen konnte Becker aber auch über einige positive Entwicklungen berichten. Das ABDA-KBV-Modell sei auf einem guten Weg. Der erste Praxistest des gemeinsamen Versorgungskonzepts von Ärzten und Apothekern könne bald in Thüringen und Sachsen starten. Auf einem gute Weg sei auch die Initiative Securpharm, ein Gemeinschaftsunternehmen von Apothekern, Großhandel und Industrie. Die Securpharm werde einen Schutzwall gegen Arzneimittelfälschungen sein, ist sich der DAV-Chef sicher. Das Unternehmen hat den Data-Matrix-Code für Arzneimittelpackungen entwickelt, mit dessen Hilfe in der Apotheke die Echtheit eines Medikamentes überprüft werden soll. Auch hier soll die Testphase im nächsten Jahr beginnen. /

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