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Mit Chili und Botox gegen Schmerzen

12.10.2009  14:23 Uhr

Mit Chili und Botox gegen Schmerzen

Von Bettina Sauer, Berlin

 

Capsaicin-Pflaster und Botulinumtoxin-Injektionen dämpfen neuropathische Schmerzen der Haut lang anhaltend. Das berichtete Professor Dr. Ralf Baron, Präsident des Deutschen Schmerzkongresses in Berlin, bei einer Pressekonferenz.

 

Capsaicin stammt aus Chili-Schoten und verursacht normalerweise ein schmerzhaftes Brennen der Haut, indem es dort TRPV1-Rezeptoren (transient receptor potential vanilloid 1), eine Untereinheit der Schmerzrezeptoren, stimuliert. Doch hoch dosiert bewirkt es eine Übererregung der TRPV1-Rezeptoren und macht damit die Nervenenden unempfindlich für Schmerzreize. Dieser Mechanismus liegt dem kutanen Pflaster Qutenza™ (NGX-4010) des US-amerikanischen Unternehmens NeurogesX zugrunde. Es enthält 8 Prozent Capsaicin, wird auf die erforderliche Größe und Form zugeschnitten und für 30 bis 60 Minuten auf die schmerzenden Hautbereiche aufgeklebt. Es kann zwischen einem Tag und zwei Wochen dauern, bis eine Wirkung eintritt. In Abhängigkeit von den Symptomen des Patienten kann die Behandlung alle drei Monate wiederholt werden. Das Präparat wurde in vier klinischen Studien an insgesamt 1619 Erwachsenen mit neuropathischen Schmerzen infolge einer Gürtelrose oder HIV-Infektion getestet. Die Teilnehmer erhielten entweder das Testpräparat oder ein Kontrollpflaster (0,04 Prozent Capsaicin) und mussten zu bestimmten Zeitpunkten ihre Schmerzen auf einer Skala bewerten. Demnach vermochte NGX-4010 den Schmerz zwar nicht vollständig zu dämpfen. Doch zeigten sich deutliche Unterschiede zu den Vergleichsgruppen. Am 15. Mai 2009 erteilte die Europäische Kommission die Genehmigung, das Präparat in der EU zur Behandlung peripherer neuropathischer Schmerzen bei erwachsenen Nichtdiabetikern in Verkehr zu bringen. »Bald dürfte die Markteinführung erfolgen«, sagte Baron.

 

Als vielversprechend bewertete er auch experimentelle Daten zum Botulinumtoxin Typ A. »Demnach scheint es nicht nur die Muskelerregung zu hemmen, sondern auch sensorische Nervenfasern zu modulieren und so neuropathische Schmerzen zu lindern.« Dazu veröffentlichten Forscher um Dr. Danièle Ranoux von der Universität im französischen Limoges 2008 in den »Annals of Neurology« die Ergebnisse einer kleinen klinischen Studie. Die 29 Teilnehmer litten an neuropathischen Schmerzen und bekamen entweder einmalig eine Botulinum- oder eine Placebo-Injektion in die betroffenen Hautbereiche. Bei den Testpersonen zeigte sich gegenüber der Vergleichsgruppe eine deutliche Schmerzlinderung, unter anderem eine geringere Empfindlichkeit gegenüber mechanischen und thermischen Reizen. Dieser Effekt blieb 14 Wochen bestehen. »Offenbar lassen sich die Injektionen mehrfach wiederholen, und das Botulinumtoxin scheint nur die kleinen Schmerzfasern zu beeinflussen, nicht aber die sonstigen Nerven in der Region«, kommentierte Baron. Doch müssten noch größere klinische Studien folgen.

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