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Biosimilars

Politik für mehr Wettbewerb

07.10.2015
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Von Ev Tebroke, Berlin / Der Einsatz von Biosimilars macht Therapien kostengünstiger als die Behandlung mit Original­präparaten. Trotz dieses deutlichen Vorteils haben die Nachahmer Schwierigkeiten, sich am Markt zu etablieren. Politik und Kassen scheinen dies zwar mittlerweile einzusehen, handeln wollen sie aber noch nicht.

Nach wie vor bleibt das Einsparpotenzial von Biosimilars weitgehend ungenutzt, da sich diese Wirkstoffe nur schwer am Markt etablieren können, so der Tenor eines Symposiums der Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars, das vergangene Woche in Berlin stattfand. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Andreas Eberhorn, appellierte an Kassen und Politik, die Rahmenbedingungen für die Nachahmer zu verbessern. Exklusive Rabattverträge mit den Originalherstellern über den Patentablauf hinaus sowie mangelnde Kenntnis von Ärzten und Patienten über die neuen Therapieoptionen bilden demnach bislang Barrieren.

Stunde null

 

Die anwesenden Politiker und Vertreter der Kassen unterstützten die Forderung nach einer besseren Marktöffnung für Biosimilars. Ihr leuchte nicht ein, warum ein gleichwertiges Präparat, das günstiger sei, nicht eingesetzt werden sollte, sagte Martina Stamm-Fibich (SPD), die in ihrer Fraktion Berichterstatterin für den Bereich Arzneimittel ist. Auch eine sogenannte Stunde null, also die Neuausschreibung von Versorgungsverträgen nach Patentauslauf, befürworteten die anwesenden Abgeordneten.

 

Von einer zweijährigen Karenzzeit ohne Rabattverträge hält CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich jedoch nichts. Viele Biosimilar-Hersteller seien keine Mittelständler, daher brauche es keinen Schutzzaun, so Hennrich. Auch den Kassen ist die wirtschaftliche und versorgungsrelevante Bedeutung dieser Medikamente bewusst. »Wir brauchen Wettbewerb und den bekommen wir nur über die Biosimilars«, sagte Brigitte Käser von der AOK Niedersachsen.

 

Die Entwicklung und Produktion biotechnologisch hergestellter Wirkstoffe ist sehr aufwendig und kostenintensiv, dementsprechend sind die Preise und damit auch die Therapiekosten sehr hoch. Nach Angaben von Pro Biosimilars liegen die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung für Biopharmazeutika jährlich bei mehr als 6 Milliarden Euro. In diesem Jahr laufen erstmals mehr biopharmazeutische Wirkstoffe aus dem Patent als chemische Arzneistoffe. Dabei geht es um ein Umsatzvolumen in Höhe von 1,34 Milliarden Euro. Durch den Markteintritt von Biosimilars können die Kassen also viel Geld sparen.

 

Besser informieren

 

Damit diese Medikamente auch zum Einsatz kommen, müssen Ärzte und Patienten besser über die neuen Therapieoptionen informieren werden. Eberhorn plädierte dafür, bereits gut funktionierende regionale Modelle zur Marktetablierung bundesweit auszurollen. So verfolgt beispielsweise die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe gemeinsam mit den Krankenkassen eine aktive Informationspolitik bei Ärzten und Patienten. Darüber hi­naus vereinbaren die Beteiligten Ziele zu Versorgungsanteilen von Biosimilars und stärken so deren Marktentfaltung.

 

Die Techniker Krankenkasse (TK) setzt hingegen auf sogenannte Open-House-Verträge. Dabei können direkt nach Patentablauf eines Biopharmazeutikums alle Hersteller des Wirkstoffs vorgegebenen Versorgungsverträgen der TK beitreten. Bislang führen diese Verträge jedoch nicht zu einem veränderten Verordnungsverhalten zugunsten von Biosimilars, da die Ärzte die Preise der Arzneimittel nicht kennen. Kordula Schulz-Asche, Gesundheitsexpertin der Grünen, hält diese Regelung daher für wenig zielführend. »Für den Arzt ist die Wirtschaftlichkeit der Verordnungen nicht klar erkennbar«, kritisierte sie.

 

Fazit des Symposiums: Die Bedeutung von Biosimilars ist bei allen Beteiligten angekommen. Taten folgen aber erst einmal keine. Zunächst wolle man die Diskussion im Rahmen des Pharmadialogs abwarten, so der einstimmige Tenor. /

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