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Apothekenbesuch

Fragen über Fragen

21.07.2016  13:25 Uhr

Den Teilnehmer des FIP-Kongresses wurde ein besonderes Angebot gemacht. Sie konnten sich für den Besuch einer deutschen Apotheke anmelden. Circa 50 Kollegen machten von dieser Möglichkeit Gebrauch und schauten in der Europa-­Apotheke in Düsseldorf vorbei, um sich dort über die Abläufe in einer deutschen Apotheke zu informieren und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Apothekeninhaber Thomas Stephan hatte wohl niemals zuvor eine so hohe Apothekerdichte in seiner Apotheke. Die internationalen Kollegen kamen aus Ländern wie Ghana, Malaysia oder den USA und sie bombardierten ihn mit Fragen. So erklärte Stephan, dass alle Apotheken in Deutschland Voll-Apotheken sind und es hierzulande keine Apotheke light mit abgespecktem Dienstleistungsangebot gibt.

Auch informierte er über die Niederlassungsfreiheit in Deutschland, die einige Kollegen aus dem Ausland staunen ließ. Ebenso waren sie beeindruckt von den Möglichkeiten der Apotheken-Software. Stephan demonstrierte ihnen beispielsweise die Funktionen der Stammkundendatei und die Vorgehensweise bei einem Interaktions-Check.

 

Auch das Thema Rezepturen interessierte die Kollegen. Stephan erklärte ihnen, dass die Herstellung von Salben und Co. früher eine größere Rolle gespielt habe. Automatisch nickten einige mit den Köpfen, vor allem Kollegen aus Europa. Eine Apothekerin aus Kroatien sagte im Gespräch mit der PZ, dass sie diesen Trend auch in ihrem Heimatland beobachte.

»Unser Berufsbild ändert sich momentan und das fast überall auf der Welt.« In Dänemark gibt es laut einer Kollegin aus dem nordeuropäischen Nachbarland mittlerweile nur noch zwei Apotheken, die für die Herstellung von Rezepturen für die gesamte Bevölkerung zuständig sind.

 

Deutsche gelten im Ausland gemeinhin als besonders sorgfältig, und bei Apothekern ist dies nicht anders. Daher zeigten sich die internationalen Gäste gar nicht so überrascht über die Sorgfalt eines deutschen Apothekeninhabers in Sachen Dokumentation – von Tierarzneimitteln über Plausibilitätsprüfung bis hin zu Importarzneimitteln.

Eine Kollegin aus den USA staunte allerdings, als sie sich in der Freiwahl genauer umsah und keine OTC-Medikamenten fand. Als sie erfuhr, dass OTC-Präparate in Deutschland nicht in der Freiwahl platziert werden dürfen und auch nicht außerhalb einer Apotheke, etwa im Supermarkt-Regal oder an der Tankstelle, zu finden sind, fiel ihr Kommentar knapp aus: »Amazing!« Ebenso erstaunlich fand es eine Pharmazeutin aus Indonesien, dass Antibiotika – anders als in ihrem Heimatland – nur auf Rezept abgegeben werden dürfen.

 

Insgesamt dürften die Kollegen bei dem Besuch in der Europa-Apotheke einen guten Überblick über den Apothekenalltag in Deutschland bekommen haben. Interessant war, dass sie den Fortschritt hierzulande in einigen Punkten schon weiter wähnten. So musste Apothekeninhaber Stephan abwinken, als danach gefragt wurde, welche Impfungen in seiner Apotheke gegeben werden und wie das mit dem elektronischen Rezept genau funktioniert. /

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