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Antiinfektiva

Hoch dosiert ist nicht immer am besten

08.10.2014
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Von Annette Mende / Hoch dosiert und lange: So müssen Antiinfektiva gegeben werden, um Resistenzen zu vermeiden. Dieses Dogma stellen jetzt Forscher um Roger Kouyos von der US-amerikanischen Princeton University in den »Proceedings of the Royal Society B« infrage (DOI: 10.1098/rspb. 2014.0566).

 

Sie vertreten die Auffassung, dass eine aggressive Therapie nicht in jedem Fall die beste Strategie ist. Im Gegenteil sei eine moderate Behandlung mit niedrigerer Dosierung und kürzerer Dauer in einigen Fällen vermutlich besser geeignet, die Entstehung von Resistenzen zu verhindern.

 

Theoretisch ist es einleuchtend, dass Antibiotika, Virustatika und andere Anti­infektiva in hohen Dosen gegeben werden, denn die Medikamente sollen so viele Erreger abtöten wie möglich, um wenige übrig zu lassen, die Resistenzen entwickeln können. Das Ergebnis eines Tierversuchs von Forschern der Pennsylvania State University passte jedoch nicht zu dieser Theorie. Sie hatten Mäuse mit zwei verschiedenen Malaria-Stämmen infiziert, von denen einer resistent gegen ein Malaria-Mittel war. Nach der medikamentösen Behandlung blieben nur noch die resistenten Erreger übrig und den Mäusen ging es schlechter als zuvor.

 

Die Autoren des vorliegenden Artikels durchsuchten daraufhin die Fach­literatur nach Arbeiten zum Zusammenhang zwischen Dosis und Länge einer antiinfektiven Therapie und der Entstehung von Resistenzen – und fanden erstaunlich wenige, die zudem überwiegend an Zellkulturen und nicht mit Tiermodellen oder Patienten gemacht worden waren. Die Analyse ergab, dass die aggressivste Therapie nicht immer die beste ist. Wie behandelt werden sollte, hängt stattdessen davon ab, ob eine Resistenz bereits besteht oder neu ist, wie viele Mutationen für ihre Entstehung notwendig sind und wie lange das antiinfektive Medikament bereits verfügbar ist.

 

Zwei Faktoren identifizierten die Forscher als Treiber von Resistenzentwicklungen: eine hohe Erregerlast und die Stärke des Selektionsdrucks. Gegen den ersten verspricht eine aggressive Therapiestrategie den größten Erfolg, gegen den zweiten eine moderate. Sie leiten daraus folgende allgemeine Empfehlungen ab: Eine moderate Therapie eignet sich am besten gegen Mikroben mit bereits vorhandenen Resistenzen und für Medikamente, die bereits seit Langem auf dem Markt sind. Im Gegensatz dazu sollte bei Erregern, die für die Ausbildung einer Resistenz mehrere Mutationsschritte brauchen, eine aggressive Strategie verfolgt werden, um einem Wirkverlust des Medikaments zuvorzukommen. / 

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