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Malariaprophylaxe ab Babyalter

06.10.2008
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Malariaprophylaxe ab Babyalter

Ein vierjähriges Kind soll mit seinen Eltern eine mehrwöchige Urlaubsreise nach Tansania unternehmen, Safari inklusive. Braucht das Kleinkind Malariamedikamente? Welche Arzneistoffe für Prophylaxe und Therapie geeignet sind, erläuterte Dr. Christa Kitz von der Uniklinik Tübingen.

 

Kinder unter fünf Jahren sollten nicht in Länder reisen, in denen sie sich mit Chloroquin-resistenten Malaria-tropica-Erregern anstecken könnten, sagte die Kinder- und Tropenärztin mit Bezug auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Eine Tropenreise könne für Babys und Kleinkinder lebensgefährlich sein. Unerlässlich ist in jedem Fall eine konsequente Expositionsprophylaxe. Vorhänge, Fenstergitter und -gaze sowie Klimaanlage erschweren den Anopheles-Mücken den Zugang. Die Kinder sollten immer unter imprägnierten Moskitonetzen schlafen, da die höchste Stichrate der dämmerungs- und nachtaktiven Mücken zwischen 2 und 4 Uhr morgens beobachtet wurde. Tagsüber sollten unbedeckte Hautstellen mit Repellentien geschützt werden; meist werden Mittel mit DEET oder Icaridin verwendet. In Risikogebieten brauchen Säuglinge und Kleinkinder bei Kurz- und Langzeitaufenthalten eine durchgehende Chemoprophylaxe. Dies gilt auch für voll gestillte Säuglinge, da die über die Muttermilch aufgenommenen Wirkstoffmengen (sofern die Mutter Malaria-Tabletten einnimmt) keinen ausreichenden Schutz bieten. Je nach Medikament beginnt die Einnahme bis zu zwei Wochen vor der Einreise und muss eine bis vier Wochen nach Verlassen des Malariagebiets fortgesetzt werden. Die Eltern können die Medikamente zerdrückt in Marmelade verabreichen. Die Dosierung richtet sich nach dem Alter und Gewicht des Kindes.

 

Für Säuglinge eignen sich Chloroquin und Proguanil. Mefloquin ist ab einem Körpergewicht von 5 kg und dem dritten Lebensmonat zugelassen. Vorteilhaft ist die einmal wöchentliche Gabe zur Chemoprophylaxe. Wegen möglicher Nebenwirkungen auf Zahnreifung und Knochenbildung darf Doxycyclin erst ab dem 9. Lebensjahr verordnet werden (in Deutschland nicht zugelassen für die Malariaprophylaxe). Ab einem Körpergewicht von 11 bis zu 40 kg steht die Kombination Atovaquon/Proguanil (62,5 mg/25 mg) als Kinderarzneimittel zur Verfügung. Die Tabletten enthalten ein Viertel der Erwachsenendosis.

 

Die Wirkstoffe eignen sich auch zur Notfallbehandlung (Stand-by-Medikation), wenn kein Arzt erreichbar ist, und zur Therapie der Malaria tropica. Chloroquin ist aber nur noch in der Karibik ausreichend wirksam. Die Atovaquon/Proguanil-Junior-Tabletten können auch als Notfallmedikation eingenommen werden, aber nur für Kleinkinder bis zu 11 kg. Schwerere Kinder brauchen zur Therapie die Erwachsenendosis, informierte Kitz. Artemether/Lumefantrin (20 mg/ 120 mg) ist gar nicht für die Prophylaxe, sondern nur für die Therapie der Malaria tropica zugelassen. Bereits Säuglinge ab 5 kg Körpergewicht können dieses Arzneimittel bekommen. Für die Stand-by-Therapie brauchen die Eltern einen genauen Einnahmeplan.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) rät, die komplette Dosis erneut zu geben, wenn das Kind innerhalb von 30 Minuten nach der Arzneigabe erbricht. Passiert dies 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme, ist die halbe Dosis nachzugeben. Bei späterem Erbrechen gilt die Dosis als aufgenommen und resorbiert. Abweichend hiervon empfehlen die Hersteller von Atovaquon/Proguanil und Artemether/Lumefantrin, die Dosis bei Erbrechen innerhalb von einer Stunde nach Einnahme komplett zu wiederholen.

 

Einige Tipps für die Tropenreise: Bei jeder fieberhaften Erkrankung eines Kindes sollten die Eltern sofort einen Arzt aufsuchen. Bei Kleinkindern sollte aber auch bei einer Erkrankung ohne Fieber stets an eine Malaria gedacht werden, da die Infektion atypisch verlaufen kann. Medikamente solle man grundsätzlich in ausreichender Menge in Deutschland kaufen, mahnte Kitz. In Schwarzafrika seien bis zu 50 Prozent der Malariamittel gefälscht.

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