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Schiffsapotheke

Hilfe bei Seekrankheit und Skorbut

09.10.2006  10:35 Uhr

Schiffsapotheke

Hilfe bei Seekrankheit und Skorbut

Von Heike Haß

 

Unter dem Motto »Wir wandern aus!« brach die »San Sebastiano« im Sommer zu einer Atlantiküberquerung auf. Auslaufhafen des imaginären Schiffes war das Deutsche Apotheken-Museum in Heidelberg. An Bord befanden sich 14 Passagiere im Alter von acht bis zwölf Jahren und das vierköpfige Museumsteam.

 

Im Mittelpunkt der Seereise stand eine alte Schiffsapotheke, mit deren Hilfe die typischen Herausforderungen einer Überfahrt wie Seekrankheit, Malaria und Skorbut gemeistert werden konnten. »Schiffsapotheker« Christian Müller stellte seinen reich bestückten Zauberkasten mit den vielen geheimnisvollen Schubladen und Gefäßen vor. »Wozu war denn da ein Kartenspiel drin?«, wollte ein kleiner Auswanderer wissen. »Auch heute noch dient ein halbrunder Schaber, den man am leichtesten aus einer Spielkarte herausschneidet, zum Abstreifen von Salbenresten an Pistill und aus der Salbenschale«, lautete die Antwort. Einem Teilnehmer, der von einer »heimtückischen Seekrankheit« ergriffen wurde, konnte im Spiel mit Mitteln aus der historischen Apotheke geholfen werden. Einen Ausflug auf die Insel Materia, die eine Fülle an Rohmaterialien bot, nutzte der Apotheker, um seine Bestände wieder aufzufüllen: Hier gab es die schwer zu erntende Alraune, die heilkräftige, fiebersenkende Chinarinde und die gegen Dysenterie eingesetzte Wurzel der Ipecacuanhae zu bestaunen. Gegen die gefürchtete Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut wurde ein wirksames Brausepulver hergestellt.

 

Es gelang von Anfang an, den Kindern die Atmosphäre auf einem Schiff glaubhaft zu vermitteln. Schon nach dem ersten »Leinen los« kam sich jeder Teilnehmer wie ein Auswanderer auf einem Segelschiff des 19. Jahrhunderts vor. Bilder vom Dreimaster »San Sebastiano«, benannt nach dem Pestheiligen Sebastian, erschienen an der großen Leinwand, die gleichzeitig auch Schiffsbug war. »Kapitän« Mario Kiermeier erklärte die Funktionen seines Schiffes, verschiedene Probleme, die sich bei einer Atlantiküberquerung einstellen können und die spezielle Situation von Auswanderern. »Erzieherin« Anne Roestel machte einen Exkurs über die Entdeckung Amerikas und die Entwicklung von Überseereisen. Ein Ausflug in die Kombüse schließlich gab Aufschluss über den damaligen wöchentlichen Speiseplan. »Müssen wir das jetzt wirklich essen?«, ertönte prompt entsetzt die Stimme eines Jungen, als er das Menu sah: Erbspüree, Dörrfleisch, Kartoffeln und Sauerkraut gehörten zum täglichen Brot der Auswanderer wie auch der Schiffsbesatzung.

 

Crew und Passagiere waren von Anfang an hoch motiviert, tatsächlich in die Auswanderungsgeschichte einzutauchen und diese mit eigenen Ideen zu bereichern. Auch das Problem der Trinkwasserknappheit konnte so von einer Teilnehmerin rasch gelöst wurde: »Wir destillieren eben Meerwasser, dann bleibt das Salz schon draußen!« »Oder trinken Wein«, ergänzte ein anderes Mädchen.

 

Mit dem Filmklassiker von Charlie Chaplin »Der Einwanderer«, der zum Abschluss gezeigt wurde, kamen alle Ferien-Sommerkinder gesund und gut gelaunt in Amerika an. Nach zwei sehr fröhlichen und lehrreichen Stunden verabschiedete sich das Museumsteam bei einem selbst zubereiteten Hot-Dog von seinen Gästen.

 

Die Aktion »Wir wandern aus!« war ein voller Erfolg und ist über den Feriensommer hinaus im Rahmen von zum Beispiel Kindergeburtstagen im Deutschen Apotheken-Museum zu buchen. Informationen: Heike Haß, Telefon (0 62 21) 2 58 80, info(at)deutsches-apotheken-museum.de

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