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Abtreibung

Weltweit 25 Millionen gefährliche Eingriffe

04.10.2017
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Von Katja Egermeier / Weltweit werden jährlich etwa 25 Millionen Abtreibungen mit gefährlichen oder fragwürdigen Methoden durchgeführt. Darauf machen die Weltgesundheits­organisation WHO und das US-amerikanische Guttmacher-Institut im Fachjournal »The Lancet« aufmerksam.

Die Wissenschaftler um Erstautorin Dr. Bela Ganatra unterteilten für ihre Analyse Abtreibungen in die drei Kategorien »sicher«, »weniger sicher« und »am wenigsten sicher«. Als sicher, weil in Übereinstimmung mit den empfohlenen medizinischen Richtlinien durchgeführt, gelten der Analyse zufolge etwa 55 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche weltweit (DOI: 10.1016/S0140-6736(17)31794-4). 

31 Prozent der Abtreibungen dagegen gelten als »weniger sicher«. Diese werden entweder von einem zwar geschulten Anbieter, jedoch mit einer unsicheren oder veralteten Methode durchgeführt. Oder die Methode selbst gilt als sicher, wie etwa eine medikamentös induzierte Abtreibung, sie wird jedoch von einer ungeübten Person angewandt. Als »am wenigsten sicher« wurden 14 Prozent der Abtreibungen eingestuft, etwa 8 Millionen jedes Jahr. Darunter fallen von Laien angewandte gefährliche Methoden wie das Einführen von Instrumenten oder die Verwendung von Kräutermischungen. Mögliche, unter Umständen tödliche Komplikationen seien in diesen Fällen unvollständige Abtreibungen, Vaginalblutungen, Zervix- und Uterusverletzungen sowie Infektionen.

 

97 Prozent der unsicheren Abtreibungen finden der UNtersuchung zufolge in Afrika, Asien und Lateinamerika statt. Besonders dramatisch sei die Situation in Afrika außerhalb von Südafrika. Hier seien weniger als eine von vier Abtreibungen sicher. Vor allem in Entwicklungsländern müsse der Zugang zu Verhütungsmitteln und sicheren Abtreibungen gewährleistet werden, erklärt Ganatra in einer Pressemeldung der WHO. »Trotz des Fortschritts in Technologie und medizinischer Evidenz finden noch zu viele unsichere Abtreibungen statt, leiden und sterben weiterhin zu viele Frauen.«

 

Zugang zu Verhütung

 

Unsichere Abtreibungen werden den Autoren zufolge vor allem in Ländern vorgenommen, in denen Abtreibung gänzlich verboten oder nur erlaubt ist, um das Leben der Mutter zu retten oder deren Gesundheit zu bewahren. Nur eine von vier Abtreibungen sei hier sicher. In Ländern, in denen Abtreibung aus mehreren Gründen legal ist, dagegen neun von zehn. Aus Sicht der Forscher stehen Regierung und Behörden in der Pflicht, unbeabsichtigte Schwangerschaften sowie unsichere Abtreibungen zu verhindern. Daher sei es nötig, den Zugang zu Verhütungsmethoden zu ermöglichen, Sexualerziehung und Beratung hinsichtlich Familienplanung zu stärken und vor allem den Zugang zu sicherer, legaler Abtreibung zu ermöglichen. Es habe sich gezeigt, dass eine Illegalität die Anzahl der Abtreibungen nicht senkt. /

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