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Patisiran

RNA-Arzneistoff bei Erbkrankheit erfolgreich

04.10.2017
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Von Sven Siebenand / Der Wirkstoff Patisiran hat in einer Phase-III-Studie positive Ergebnisse bei der Behandlung ­einer seltenen, progredienten und tödlich verlaufende neurodegenerativen Erbkrankheit erzielt. Darauf weisen die Firmen Sanofi-Aventis und Alnylam in einer Pressemitteilung hin.

 

Hereditäre Transthyretin-Amyloidosen (hATTR) werden durch Mutationen im Gen für das Transportprotein Trans­thyretin (TTR) verursacht. Als Folge wird vermehrt instabiles TTR gebildet, das sich zu Amyloidfibrillen ansammelt, die sich in unterschiedlichen Organen ablagern, zum Beispiel in den Nerven. Eine progrediente Polyneuropathie ist eine klassische Manifestationsform dieser Erkrankung. Der neue Wirkstoff Patisiran soll bei hATTR-Amyloidose mit Polyneuropathie zum Einsatz kommen. 

In der über 18 Monate laufenden, randomisierten Apollo-­Studie mit 225 Patienten erhielten diese intravenös alle drei Wochen entweder 0,3 mg/kg Körpergewicht Patisiran oder Placebo. Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung des modifizierten neuropathy impairment score (mNIS+7) herangezogen. Dieser war am Studienende in der Verumgruppe signifikant niedriger als unter Placebo.

 

Die RNA-Interferenz (RNAi) ist ein natürlicher Vorgang des Gen-Silen­cing, der in allen Organismen von Pflanzen bis hin zu Säugetieren stattfindet. Patisiran wirkt als sogenanntes RNAi-Therapeutikum. Das funktioniert folgendermaßen: Kurze RNA-Stücke, sogenannte small interfering RNA (si­RNA), führen im Organismus dazu, dass komplementäre mRNA selektiv abgebaut wird. Somit steht diese mRNA nicht mehr für die Proteintranslation zur Verfügung und die Menge des von ihr kodierten Proteins in der Zelle nimmt ab. Im Fall von Patisiran wird siRNA eingebracht, die für TTR kodierende mRNA wirksam ausschaltet und so gezielt die Bildung dieses Proteins verhindert. Dadurch kann die Ablagerung der schädlichen Amyloidfibrillen verhindert werden. Laut der Pressemitteilung soll noch in diesem Jahr ein Zulassungsantrag für Pati­siran gestellt werden.

 

Sollte es zur Zulassung kommen, ist es gut möglich, dass Patisiran nicht das einzige RNAi-Therapeutikum von Sanofi-Aventis und Alnylam bleiben wird. Auch der Arzneistoffkandidat Fitusiran nutzt dieses Wirkprinzip. Er befindet sich in Phase III der klinischen Entwicklung und soll zukünftig Patienten mit Hämophilie A oder B helfen, indem er für Antithrombin kodierende mRNA ausschaltet. /

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