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Haarausfall gibt Hinweis auf Prostatakrebs-Risiko

30.09.2014  12:16 Uhr

Von Rolf Thesen / Männer mit einem bestimmten Haarausfall-Muster haben ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko, später an aggressivem Prostatakrebs zu erkranken, so das Ergebnis einer Studie, die jüngst im »Journal of Clinical Oncology« veröffentlicht wurde (doi: 10.1200/JCO.2014.55.4279).

 

Kennzeichnend für dieses spezifische Muster sind tiefe Geheimratsecken und lichte Stellen am oberen Hinterkopf noch vor dem 45. Lebensjahr. Ursache des Haarverlusts ist eine vermehrte Testosteron-Produktion.

Da das männliche Sexualhormon bekanntermaßen das Wachstum eines Prostatakarzinoms fördert, lag es nahe, einen möglichen Zusammenhang zwischen erblichem Haarausfall (androgenetischer Alopezie) und Prostatakarzinom zu untersuchen. Forscher vom US-National Cancer Institute in Bethesda um den Epidemiologen Michael Cook analysierten anhand von Fragebögen die Daten von 39 070 Männern im Alter von 55 bis 74 Jahren. Die Untersuchung erfolgte im Rahmen einer prospektiven Studie zur Krebsfrüherkennung, der US-PLCO Cancer-Screening-Studie. Die Probanden sollten unter Zuhilfenahme einer schematischen Abbildung angeben, unter welchem spezifischem Muster von Haarausfall sie im Alter von 45 Jahren gelitten hatten.

 

Die Analyse ergab, dass Männer, die speziell im Frontalbereich und am oberen Hinterkopf Haarausfall hatten, zu circa 40 Prozent häufiger an einem aggressiven Prostatakrebs erkrankten als Männer, die keinen Haarausfall gehabt hatten. Allerdings fanden die Forscher keinen generellen Zusammenhang zwischen Haarausfall und einem erhöhten Risiko für nicht aggressiven Prostatakrebs. Das lässt vermuten, dass ein hoher Testosteron-Spiegel wohl nicht Ursache eines Prostatakarzinoms sein dürfte, sondern dazu beitragen könnte, dessen Wachstum zu beschleunigen.

 

Zwei weitere Studien sind geplant, um den Zusammenhang näher zu beleuchten. So sollen die Probanden in einer Studie vor Studienbeginn dermatologisch untersucht werden, da man sich damit verlässlichere Daten erhofft als bei einer Selbsteinschätzung durch die Patienten per Fragebogen. /

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