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Versandhandel

Sanicare hat kein Geld mehr

02.10.2012  17:01 Uhr

Von Daniel Rücker / Die Versandapotheke Sanicare ist zahlungsunfähig. Wenige Wochen nach dem Tod ihres Gründers Johannes Mönter hat die Familie einen Insolvenzantrag gestellt.

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenz­verwalters Ralph Bünning soll der Geschäftsbetrieb weiterlaufen, es werde ein Investor gesucht. Aktuell entschuldigt sich die Versandapotheke auf ihrer Website allerdings bei den Kunden für eine verlängerte Wartezeit nach einer Bestellung. Sie macht dafür ein erhöhtes Arbeitsaufkommen verantwortlich. Grundsätzlich seien Bestellungen über den Online-Shop weiterhin möglich. Ein Zusammenhang zwischen den Lieferschwierigkeiten und der Insolvenz wird nicht hergestellt. Von der Insolvenz betroffen sind laut Insolvenzverwalter die Versand­apotheke und die drei Sanicare-Apotheken am Firmensitz in Bad Laer (Kreis Osnabrück) sowie in Versmold und Bielefeld.

Nicht betroffen sei dagegen die Krankenhausversorgung der Sanicare-Gruppe. Diese versorgt rund 50 Kliniken sowie zahlreiche Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen. Der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) macht sich dennoch Sorgen um die Krankenhäuser. Mönter habe in den vergangenen Jahren mit einer sehr aggressiven Markt- und Preispolitik bestehende Krankenhausapotheken verdrängt, dies werde sich nun rächen, erwartet ADKA-Geschäftsführer Klaus Tönne. Er geht davon aus, dass die Insolvenz der Sanicare-Apotheke zu Versorgungsengpässen in manchen Krankenhäusern führen könnte. ADKA-Präsident Dr. Torsten Hoppe-Tichy sieht die Insolvenz von Sanicare als Beleg dafür, dass die beste Versorgung von Klinikpatienten aus der eigenen Krankenhausapotheke komme. Die Versorgung von Krankenhäusern über große externe Apotheken sei eine Fehlentwicklung, so Hoppe-Tichy.

 

Die Löhne der 342 Mitarbeiter der Versandapotheke sind laut vorläufigem Insolvenzverwalter über das Insolvenzgeld bis Ende November gesichert. Andere Teile der Sanicare-Gruppe, die insgesamt mehr als 800 Beschäftigte hat, seien derzeit nicht berührt.

 

Die Unternehmensgruppe Sanicare war nach eigenen Angaben im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/2011 noch deutlich gewachsen und hatte rund 515 Millionen Euro umgesetzt. Davon entfielen 215 Millionen Euro auf die Versandapotheke. Allerdings musste Mönter im Frühjahr 2011 hinnehmen, dass sein Gutschein-System vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg gekippt wurde, weil es gegen die deutschen Preisvorschriften verstieß. Im Jahr zuvor hatte die Versandapotheke bei einer Untersuchung von Stiftung Warentest nur mit »mangelhaft« abgeschnitten. Ob dies auch einen Einfluss auf die zurückgehenden Erträge der Versandapotheke hatte, ist schwer zu beurteilen. /

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