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Mehr Fragen als Antworten

29.09.2008
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Mehr Fragen als Antworten

Die Idee klingt bestechend: Wäre es nicht im Sinne der Patienten viel klüger, wenn die Preisschlacht im Arzneimittelmarkt durch einen Wettbewerb um Qualität und Leistung ersetzt würde? Wenn es keine Rabattverträge mehr gäbe, die den niedrigsten Dumpingpreis belohnen. Wenn stattdessen die Nützlichkeit eines Arzneimittels seinen Preis bestimmte.

 

Aus Sicht der mittelständischen Pharmafirmen, die im Preiswettkampf den Großen der Branche allzu oft unterliegen, hätte das Modell, das der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) in Berlin vorgestellt hat (siehe dazu Arzneimittelmarkt: Wettbewerb um Qualität statt um Preise), sicher einigen Charme. Es sieht vor, für Generika auf Basis einer Kosten-Nutzen-Bewertung einen adäquaten Erstattungspreis festzusetzen, den die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bezahlen muss. Andere Regulierungsinstrumente im Arzneimittelmarkt wie Festbeträge oder Rabattverträge würden überflüssig. Und das Ganze soll auch noch kostenneutral funktionieren, denn das vorhandene Arzneimittelbudget wird lediglich unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit neu verteilt.

 

So weit, so attraktiv die Theorie. Allerdings ist das Modell kaum ein solches zu nennen, denn es lässt mehr Fragen offen als es beantwortet. Das zentrale Element, die Kosten-Nutzen-Bewertung, gibt es noch gar nicht. Sie ist zwar im GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz zur Kostenbegrenzung bei innovativen, patentgeschützten Arzneimitteln vorgesehen, doch das mit der Entwicklung einer Methodik beauftragte Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat bisher lediglich einen Vorschlag präsentiert, der derzeit kontrovers diskutiert wird.

 

Unklar ist auch, was passiert, wenn der Verbrauch an Arzneimitteln steigt, was angesichts der demographischen Entwicklung und der Prognosen der Fachleute zu erwarten ist. Verfallen dann die Preise?

 

Schwer nachzuvollziehen ist überdies die Tatsache, dass ein Industrieverband freiwillig die Hoheit der Preisbildung aufgeben will. Der BAH-Vorsitzende Hans-Georg Hoffmann gestand, dass es sich nicht um ein Patentrezept handele, sondern um den Einstieg in eine Diskussion. Wenn das Modell, sozusagen als Nebenwirkung, dazu dient, die notwendige Diskussion um eine Kosten-Nutzen-Bewertung in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen, kann es sich auf diesem Weg trotzdem als nützlich erweisen.

 

 

Dr. Uta Grossmann

Ressortleitung Wirtschaft und Handel

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