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BPI

Industrie will Planungssicherheit

17.11.2009  16:17 Uhr

Von Martina Janning, Berlin / Die Unternehmen im Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) haben die Bundesregierung aufgefordert, für stabile Rahmenbedingungen zu sorgen und den Arzneimittelmarkt zu deregulieren. Vor allem die Rabattverträge mit Krankenversicherungen soll die neue Koalition kippen, fordern die Firmen.

 

Die Pharmaindustrie beklagt mangelnde Planungssicherheit. 80 Prozent der Befragten einer Umfrage des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und der Deutschen Bank nannten diesen Punkt als zentrales Problem. »Wir haben in den letzten Jahren einen ständigen Wechsel der gesetzlichen Bedingungen gehabt«, erklärte Dr. Bernd Wegener, Vorstandsvorsitzender des BPI, beim 14. Unternehmertag, der am vergangenen Donnerstag in Berlin stattfand.

 

Er betonte: »Wer nicht planen kann, wird in den globalisierten und komplexen Märkten nicht mit System steuern können. Ohne Planungssicherheit kann ich nicht in neue Produkte, neue Mitarbeiter und neue Geschäftsfelder investieren.«

 

Firmen fordern weniger Regulierung

 

Wegener verlangte daher stabilere Rahmenbedingungen von der neuen Bundesregierung. An der Umfrage, die vor der Bundestagswahl stattfand, hatten knapp 100 der 260 Mitgliedsunternehmen des BPI teilgenommen. Die Firmen äußerten sich zur wirtschaftlichen Lage, zu den größten Risiken sowie ihren Hoffnungen und Wünschen. Die Pharmafirmen fordern, dass die Regulierung des Arzneimittelmarktes auf ein »erträgliches und transparentes Maß« sinkt und die Regierung – wie im Koalitionsvertrag angekündigt – das Nebeneinander der unterschiedlichen, sich teilweise widersprechenden Instrumente zur Kostensenkung beendet.

 

Insbesondere die Rabattverträge mit Krankenkassen sind den Unternehmen ein Dorn im Auge, darin sind sie sich mit den Apothekern einig. Sie gehörten abgeschafft, urteilt der BPI.

 

Die Preisnachlässe hätten eine ganze Branche ans Existenzlimit gebracht, betonte Wegener in Berlin. Um bei den Ausschreibungen der Kassen eine Chance zu haben, müssten Unternehmen inzwischen bis zu 70 Prozent unter den Festbetrag gehen.

 

Selbst indische Anbieter könnten dabei nicht mehr mithalten und müssten vor den chinesischen Generikaherstellern kapitulieren. 80 Prozent der rabattierten Arzneien kämen nicht mehr aus Deutschland, sagte der Verbandschef.

 

Wegener warnte außerdem vor einem Oligopol. Fast 80 Prozent der Generika stammten derzeit von nur noch vier Anbietern. Diese Entwicklung sei ruinös für viele mittelständische Arzneimittelhersteller in Deutschland. Ein Oligopol werde dazu führen, dass Tiefpreise ein Ende fänden. Krankenkassen müssten dann schauen, wo sie bleiben, erklärte Wegener.

 

Für die nächsten Jahre sehen die Unternehmen der Studie zufolge Chancen vor allem durch das Entwickeln neuer Produkte. Die Regierung müsse ihr im Koalitionsvertrag gegebenes Versprechen halten und die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung voranbringen, sagte Wegener.

 

Der BPI-Chef forderte, die geplante Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln nach internationalen Standards ablaufen zu lassen. »Das IQWiG ist kein institutionelles Problem«, urteilte der BPI-Chef. Problematisch sei die Vorgehensweise.

 

IQWiG erweckt falschen Eindruck

 

Die handelnden Personen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erweckten den Eindruck, einen Auftrag zur Kostensenkung und Rationierungsziele zu verfolgen.

 

Wegener wandte sich gegen eine frühe Kosten-Nutzen-Bewertung bei neuen Arzneimitteln. Bei der Zulassung eines Medikamentes sei wenig über langfristige Nutzen bekannt.

 

»Zusätzliche Indikationen ergeben sich oft erst später«, erläuterte er. Eine frühzeitige Kosten-Nutzen-Bewertung schließe einen zweiten Preis für ein Präparat meist aus, da sich gesetzte Preise nur schwer erhöhen ließen.

 

Der BPI-Vorstandsvorsitzende plädierte dafür, bei der Kosten-Nutzen-Bewertung Fristen zu setzen und Preise dann neu zu verhandeln. /

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