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Zytostatika

Apothekertag fordert harte Strafen für Fälscher

02.10.2007
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Zytostatika

Apothekertag fordert harte Strafen für Fälscher

Von Daniel Rücker 

 

Der Skandal um nicht zugelassene Krebsmittel zieht weitere Kreise. Der Deutsche Apothekertag in Düsseldorf forderte deshalb schärfere Strafen für das vorsätzliche oder grob fahrlässige Inverkehrbringen nicht zugelassener und gefälschter Arzneimittel.

 

Seit einigen Wochen ermittelt die Staatsanwaltschaft Mannheim gegen rund 100 Apotheker und zwei Pharmahändler. Sie sollen nicht zugelassene Krebsmedikamente vertrieben haben und diese zu den Preisen in Deutschland gekaufter Zytostatika abgerechnet haben. Die Verdächtigten sollen die Substanzen aus Osteuropa bezogen und daraus Rezepturen angefertigt haben. Bislang konnte die Staatsanwaltschaft noch nicht klären, ob es sich allein um Abrechnungsbetrug und das Inverkehrbringen nicht zugelassener Medikamente handelt, oder womöglich sogar Rezepturen angefertigt wurden, die weniger oder gar keinen Wirkstoff entielten. Die Staatsanwaltschaft in Mannheim hat mittlerweile Hinweise darauf erhalten, dass es sich bei den verarbeiteten Substanzen zumindest auch um minderwertige Fälschungen gehandelt haben soll.

 

Die überwiegende Mehrheit der Apotheker ist über das mutmaßliche Vorgehen ihrer Kollegen entsetzt. Zum Teil über Jahre sollen die illegalen Medikamente in Verkehr gebracht worden sein. Nach Informationen der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« gehen allein die TK und die AOK Niedersachsen von einem Schaden in Millionenhöhe aus.

 

Angesichts der Dimensionen (fast ein Drittel der rund 300 Zytostatika herstellenden öffentlichen Apotheken sind in den Fall verwickelt) droht ein massiver Imageschaden für den gesamten Berufsstand. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« schrieb am vergangenen Samstag schon vom »Fälscher Apotheker«, der das wichtigste Kapital zerstöre, das er besitze: das Vertrauen seiner Kunden. Tatsächlich lässt sich wenig Verwerflicheres vorstellen, als seine Geldgier zum Schaden lebensbedrohlich erkrankter Menschen zu befriedigen.

 

Für die mutmaßlichen Täter gibt es deshalb von der großen Mehrheit der sauberen Apotheker keinerlei Toleranz oder Verständnis. Im Gegenteil: Die Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker hat am vergangenen Freitag die Behörden aufgefordert, »mit aller Härte und Entschiedenheit gegen derartige Rechtsverstöße vorzugehen«.

 

In der Begründung zu dem einstimmig angenommenen Antrag heißt es, dass offensichtlich das Strafmaß für das Inverkehrbringen bedenklicher Arzneimittel oder Arzneimittelfälschungen nicht zur Abschreckung ausreiche. Die Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Magdalene Linz, sagte dazu: »Geldstrafen und Bewährungsstrafen bei Erstverstößen reichen anscheinend nicht aus. Eine verschärfte Strafandrohung muss die Verwerflichkeit, die Folgen der Taten und den tiefen Vertrauensbruch gegenüber den Patienten verdeutlichen.«

 

Problematisch ist nach Ansicht der Apothekerschaft die derzeitige Rechtslage. So werde die Entziehung der Apothekenbetriebserlaubnis oder der Lieferberechtigung durch Krankenkassen illegal umgangen. Linz bekräftigt das Votum des Apothekertages: »Hier müssen wir schnell handeln.«

 

Linz: »Beim aktuellen Zytostatika-Fall greift unser System der Qualitätssicherung und Selbstverwaltung. Schließlich waren wir es, die zur Aufklärung aktiv beigetragen haben.« Auch wenn man nicht wisse, ob die von Krankenkassen erhobenen Vorwürfe stimmen, müsse klar sein: »Sollte sich herausstellen, dass hier vorsätzlich betrogen wurde, ist ein Berufsverbot für diese schwarzen Schafe die konsequente Folge.«

 

Kritisiert wird mittlerweile die mangelnde Transparenz bei der Zytostatika-Anwendung. Das mache es selbst Experten schwer, den Inhalt der angefertigten Rezeptur zu überprüfen. Ein Sprecher der Mannheimer Staatsanwaltschaft sagte: »Die Apotheker fertigen eine Lösung an, die per Infusion den Patienten verabreicht wird.« Weder Arzt noch Patient könnten daher erkennen, ob es sich um Originalware handelt oder nicht. Der Vorsitzende des Hamburger Apothekervereins, Dr. Jörn Graue, forderte deshalb auch, dass Apotheker in Zukunft die verwendeten Inhaltsstoffe auf dem Rezept notieren sollen.

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