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Eröffnung der Expopharm

»Wir sind mit Ihnen einig«

02.10.2007  16:29 Uhr

Eröffnung der Expopharm

»Wir sind mit Ihnen einig«

Die Qualität der Arzneimittelversorgung in Deutschlands Apotheken ist hervorragend. Sie muss erhalten bleiben. So lautete der einstimmige Tenor der Grußworte bei der Eröffnung der Expopharm.

 

Die Fülle der Rabattverträge, die häufige Nichtverfügbarkeit beziehungsweise der immer wieder stattfindende Wechsel von Arzneimitteln sowie zusätzliche Co-Preisbildungsmaßnahmen führen bei den Patienten zur tiefen Verunsicherung, konstatierte Hans-Georg Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH). Zur Irritation der Verbraucher trage auch der Ausschluss der rezeptfreien Arzneimittel aus der GKV bei. Sie nehmen irrtümlich an, dass dieser Ausschluss auf einen Qualitätsmangel zurückzuführen ist.

 

Hoffmann betonte, dass hier in hohem Maße die Kompetenz und Beratungsbereitschaft der Apotheker gefragt ist. Der BAH stehe daher uneingeschränkt an der Seite der Apotheker. Der Bundesverband hält das gegenwärtige Arzneimittelversorgungssystem in Deutschland für voll funktionsfähig und sieht keinen Grund zur Veränderung. Plädiert die Apothekerschaft für Zielvereinbarungen in Alternative zu Rabattverträgen, so finde sie auch hier die Unterstützung des BAH. »Wir sind mit Ihnen einig«, unterstrich Hoffmann.

 

Von einem »Zustand der Ernüchterung« nach den »Jahrhundertreformen« AVWG und GKV-WSG sprach Dr. Thomas Trümper, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes des pharmazeutischen Großhandels (Phagro). Wie sich bei der Umsetzung der Rabattverträge gezeigt habe, werden Informationen aus der Praxis offenbar für entbehrlich gehalten, sagte er. Ein vernünftiger Dialog zur rechten Zeit mit den Apothekern und dem Großhandel, die die praktische Umsetzung beinahe allein schultern müssen, hätte Pannen vermieden, unter denen nunmehr nicht nur Großhandel und Apotheker, sondern vor allem die Patienten leiden. So seien erhebliche Effizienzreserven verspielt worden. Trümper plädierte für den Erhalt des derzeitigen Systems der bewährten Arzneimittelversorgung, ohne dass die am Arzneimittelmarkt Beteiligten und hier auch der Gesetzgeber nur auf ihre eigenen Vorteile bedacht sind.

 

Professor Dr. Michael Habs, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), sprach von einem »Marktumbruch bislang ungeahnter Qualität«. Durch das AVWG und das GKV-WSG sei es zu einer so noch nicht gekannten Preisabwärtsspirale im generikafähigen Markt und einem politisch forcierten Konsolidierungsprozess gekommen, an dessen Ende die Reduzierung der Arzneimittelvielfalt und Qualität der Patientenversorgung steht. In der Diskussion um die Arzneimittel-Rabattverträge hat der BPI deutlich Kritik an den Vergabeverfahren geäußert. Er halte daran fest, dass die Krankenkassen in den Unternehmerstatus überführt werden müssen. Die uneingeschränkte Anwendung des Kartell- und Vergaberechts sei maßgeblich für einen einigermaßen fairen Wettbewerb zwischen den Beteiligten. Wie Hoffmann machte auch Habs deutlich, dass der Ausschluss der nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel aus der GKV keinerlei medizinische, sondern nur finanzielle Gründe habe. Die Regierung müsse sich zumindest klar zur therapeutischen und wirtschaftlichen Bedeutung der nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel äußern. Das wäre ein Gebot der Fairness.

 

Dr. Peter Maag, Vorstandsmitglied des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), betonte, dass die Bundesbürger die umfangreiche fachliche Beratung der Apotheker schätzen. »Apotheken sind Orte des Vertrauens«, sagte er. Auch Maag kritisierte, dass mittels der Rabattverträge die GKV-Arzneimittelausgaben nicht zuletzt auf Kosten der Patienten reduziert werden. Maag: »Gesetzliche Überregulierung sowie Wettbewerb und Innovationsförderung vertragen sich nicht.« Maag plädierte für ein innovationsfreundliches Zukunftskonzept, das dem Patienten gemäß seiner Bedürfnisse eine größere Wahl- und Entscheidungsmöglichkeit bieten sollte.

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