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Grußworte Apothekertag

Wo war die SPD?

24.09.2013
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Zur Eröffnung des Apothekertags kam nicht nur der Bundesgesundheitsminister. Die Grünen waren durch die Staatssekretärin im nordrhein-westfälischen Gesundheits­ministerium vertreten, die Union und die Linke durch ihre gesundheitspolitischen Sprecher auf Bundesebene. Von den großen Parteien brachte es nur die SPD nicht fertig, einen Grußwort-Redner zu den Apothekern zu entsenden.

Die Rolle des Apothekers im Gesundheitswesen wird zukünftig immer wichtiger. Das betonte die Staatssekretärin im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium, Marlis Bredehorst (Grüne), bei der Eröffnung. Angesichts des demografischen Wandels würden die Versorgungsprobleme vor Ort zunehmen, so die Staatssekretärin. Daher sei die Infrastruktur der Apotheken ein »wichtiger Schatz«, denn Apotheker seien zukünftig die entscheidenden Anlaufstellen für Patienten. Die Sicherstellung der apothekerlichen Versorgung sei eine wichtige Aufgabe für die Zukunft, dem müsse die Politik Rechnung tragen, forderte Bredehorst.

 

Der Pharmazeut sei vor allem Heilberufler, dies müsse in Zukunft mehr betont werden, so die Politikerin. Ihrer Ansicht nach soll der Apotheker künftig Schnittstelle für die Medikamenteneinnahme sein und die Koordination der Arzneimitteltherapie für den Patienten übernehmen. Das ABDA-KBV-Modell, bei dem Ärzte und Apotheker kooperieren, um die Arzneimittelversorgung zu verbessern und die Therapiesicherheit zu erhöhen, bezeichnete die Grünen-Politikerin dabei als einen guten Schritt. Auch in Nordrhein-Westfalen hätte es auf der Landesgesundheitskonferenz eine gemeinsame Entschließung für eine sektorenübergreifende Koopera­tion der Gesundheitsberufe gegeben, mit dem Ziel, die Sicherheit der Arz­nei­mittel­therapie zu erhöhen, so Bredehorst.

Um die wichtige Funktion der Apotheker zu unterstützen, müsste die Politik entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. So dürften zum Beispiel dem Apotheker keine Nachteile entstehen, wenn er den Patienten über die negativen Aspekte eines Präparats informiert und ihm vom Kauf abrät. Auch müssten zukünftig andere Vergütungsanreize geschaffen werden. »Der Apotheker darf nicht in die Insolvenz beraten«, sagte Bredehorst. Die Schaffung der Nacht- und Notdienstpauschale nannte sie einen Schritt in die richtige Richtung, sie sei aber noch nicht weitreichend genug. Auch sei die Regelung über einen durch den Deutschen Apothekerverband verwalteten Fonds zu bürokratisch.

 

Blockadehaltung der Kassen kritisiert

 

Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn (CDU), übte in seiner Rede scharfe Kritik an der Blockadehaltung der Krankenkassen bei diversen Streitthemen mit den Apothekern. Beim Thema Retaxationen müsse es aufhören, dass einzelne Kassen hier Schikane betrieben und nur aufgrund kleiner Formfehler auf Rezepten dem Apotheker die Verordnungen nicht erstatten. In Bezug auf die Selbstverwaltung und den zahlreichen, vergeblichen Versuchen seitens der Apotheker, mit den Kassen einen Konsens zu finden, sagte er mit Blick auf den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV): »Wenn es hier nicht möglich ist, eine Einigung zu finden, dann muss man eben gesetzlich festschreiben, dass es geht.« Auch was die Substitutionsliste angeht, übte Spahn Kritik an der Konsensunfähigkeit der Kassen. »Wir wissen, dass es nicht die Apotheker sind, an denen es hapert«, so der Gesundheitsexperte. Wenn es über die Selbstverwaltung nicht klappe, dann müsse man über eine behördliche Entscheidung nachdenken, um endlich zu einem Ergebnis zu kommen.

Um die Selbstverwaltung wieder handlungsfähiger zu machen, schlägt Spahn vor, die Rückkopplung zwischen den einzelnen Kassen und dem GKV-Spitzenverband zu verbessern. Die Vorstände der einzelnen Kassen wüssten um die Versorgungsprobleme. Der Spitzenverband aber handle oft losgelöst von den Mitgliedern, die er vertreten soll.

 

Ebenso wie viele Apotheker wunderte Spahn sich am Ende seines Grußwortes auch darüber, dass die SPD der Eröffnung des Apothekertages ferngeblieben war.

 

Kritik von links

 

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, Martina Bunge, blickte in ihrem Grußwort auf die vergangene Legislaturperiode zurück. Das AMNOG, die Packungsgrößenverordnung und der Dauerbrenner Rabattverträge haben ihr zufolge den Apotheken viel zusätzliche Arbeit beschert. Bunge räumte ein, dass die Regierung zuletzt mit der Honorarerhöhung und der Notdienstpauschale korrigiert hat. Dennoch kritisierte sie das Vorgehen der Regierung. »Es wäre besser, sich vorher einen Kopf zu machen, anstatt hinterher immer zu reparieren.«

Am Beispiel der Rabattverträge verdeutlichte Bunge die Kurzsichtigkeit der Sparpolitik. Sicher werde damit zunächst Geld eingespart. Doch der Mehraufwand in der Apotheke sei ignoriert worden, was letztlich zur Honorarerhöhung geführt hat. Für Bunge wiegt die Tatsache, dass Patienten durch den Zwangsaustausch von Präparaten verunsichert werden, noch schwerer. Die Folgen: Die Compliance und die Arzneimitteltherapiesicherheit nähmen ab, Folgebehandlungen mit Folgekosten zu. Bunge: »Wenn überhaupt letztlich ein Plus unter der Rechnung steht, frage ich mich, ob das die Einschränkung der Therapiequalität wert ist.« Aus ihrer Sicht gebe es Rabattverträge nur, weil es die Bundesregierung bisher nicht fertig gebracht hat, für vernünftige Listenpreise bei Arzneimitteln zu sorgen.

 

Applaus vom Plenum erntete Bunge für ihre Forderung, den Versandhandel auf rezeptfreie Arzneimittel zu beschränken. »Wir als Linke werden da nicht locker lassen«, kündigte die Politikerin an. Auch das Vorhaben, die Präsenzapotheke für eine gute und flächendeckende Arzneimittelversorgung stärken zu wollen, dürfte den meisten gefallen haben. »Gerade die Versorgung auf dem Land muss gesichert werden«, sagte Bunge. Sie habe vorgeschlagen, den Betrieb von Rezeptsammelstellen zu honorieren. Das Geld würde gerade in den strukturschwachen Regionen ankommen, wo die Apothekendichte am niedrigsten ist. »Ich will nicht die Zahl der Sammelstellen erhöhen«, fügte Bunge zur Klarstellung hinzu. Und: »Die Beratungsqualität muss stimmen.« Ansonsten hätte man das gleiche Qualitätsproblem wie beim Versandhandel. /

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