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Vertriebsweg

Die Drogerie ist tabu

24.09.2013
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Welchen Nutzen haben exklusive Produkte für die Apotheke? Sollten Apotheker Hersteller unterstützen, die potenziell auch Drogerie-Märkte beliefern? Wer liefert überhaupt in Graumarktkanäle? Diesen Fragen stellten sich Vertreter aus Apothekerverband, Industrie und Großhandel auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Pharma World.

Eines vorweg: Auf dem Podium herrschte hinsichtlich all dieser Fragen große Einigkeit. »Apothekenexklusive Produkte gehören in die Apotheke. Nur dort bekommt der Kunde die dazugehörige und erforderliche Beratung«, machte Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), deutlich. 

 

Von starken Marken profitierten alle – Kunde, Apotheker und Industrie. Unterstützung bekam er aus der Industrie: »Wenn man eine Marke sauber führen will, muss man sie auch sauberhalten«, sagte Norbert Camp, Leiter der deutschen Selbstmedikation bei Boehringer Ingelheim. Die Erfahrung habe gezeigt, dass eine bislang apothekenexklusive Marke zerstört wird, wenn sie außerhalb des Apothekenmarktes vertrieben wird. Ähnlich deutliche Worte fand auch Udo Harneit, Vertriebsleiter bei Noweda: »Wir liefern nicht an Drogisten aus und wir werden den Teufel tun, dies zu ändern.«

 

Doch wie will die Industrie sicherstellen, dass die Produkte ausschließlich dorthin geliefert werden, wo sie hin sollen? »Rein rechtlich sind uns die Hände gebunden«, räumte Thorsten Kujath, Vertriebsleiter des OTC-Geschäftsbereich bei Bayer Healthcare, ein. Zwar will Bayer ausschließlich apothekenexklusiv liefern und beliefert dementsprechend den Großhandel oder die Apotheke direkt. Mehr Handhabe habe man aber nicht. Camp informierte, Boehringer habe in den Lieferbedingungen festgelegt, dass Apotheker die Produkte ausschließlich für die eigenen Kunden verwenden dürfen. »Juristisch exekutierbar ist dies aber nicht«, konstatierte Camp. Becker plädierte für die Einführung einer Mengenbegrenzung bei Bestellungen, da der größte Feind des Apothekers der Apotheker selbst sei. Er befürworte – auch im Namen des DAV und der ABDA – die Einführung von Selektiv­verträgen.

Zugleich richtete er einen Appell an die Vertreter der Industrie. Apothekenexklusive Produkte müssten auch eine entsprechend hohe Qualität aufweisen. »Der Anspruch muss stimmen«, so Becker. Auch Camp warnte davor, den Begriff apothekenexklusiv zu inflationär zu verwenden. »Das Produkt muss sich in Qualität und Beratungs­inten­sität von anderen unterscheiden«, lautete seine Forderung. Die neuen Health Claims hätten zwar deutlich mehr Ordnung in den ganzen Markt gebracht, umgekehrt bedeuteten sie für den Hersteller aber auch einen erheblich Mehraufwand.

 

Der Beantwortung der Frage, ob man Hersteller überhaupt unterstützen solle, die auch andere Vertriebskanäle als die Apotheken anstreben, entzog sich Becker aus wettbewerbsrechtlichen Gründen. Harneit machte erneut klar: »Wir bedienen ausschließlich die Apotheker«. Und Camp fügte hinzu: »Ich kann nur erneut dazu einladen, gemeinsam mit den Apothekern die Kompetenz in der Selbstmedikation zu stärken.« /

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