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Homöopathie

PTA wünschen sich Fortbildungen

28.09.2010
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Von Annette Immel-Sehr, Bonn / Wenn Apotheken Homöopathie und Naturarznei zum Schwerpunkt machen, kann das ein Vorteil im Wettbewerb sein. Doch die Produkte sind beratungsintensiv. Weiterbildungen sind deshalb beim pharmazeutischen Team sehr gefragt.

Homöopathie ist nicht nur bei Apothekenkunden beliebt, sondern auch bei pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA). Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) vorige Woche in Bonn vorstellte. Fast 700 PTA aus allen Landesteilen hatten den Stellenwert homöopathischer Arzneimittel in ihrem Berufsalltag beurteilt. »Es ist keine repräsentative Umfrage, doch die Ergebnisse spiegeln die Meinung der PTA sehr gut wider«, sagte Stephan David Küpper, stellvertretender Pressesprecher des BAH.

Fast 85 Prozent der befragten PTA hatten der Auswertung zufolge angegeben, einmal oder mehrfach täglich ein homöopathisches Arzneimittel zu empfehlen. Offenbar korrelieren die Empfehlungen mit der Berufserfahrung. Je länger PTA ihren Beruf ausüben, desto häufiger raten sie zu homöopathischen Arzneimitteln. »Es besteht ein überwältigendes Interesse an Fort- und Weiterbildung«, resümierte Küpper. Nach Ansicht der befragten PTA vermittle die Ausbildung keine ausreichende Beratungskompetenz auf dem Gebiet der Homöopathie. Mehr als 88 Prozent der Befragten interessierten sich daher für spezielle Fortbildungen.

 

Welche Anforderungen an die Fortbildung von PTA zu stellen sind, beschrieb Bernadette Linnertz, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Pharmazeutisch-technischen AssistentInnen e. V. (BVpta). Ob E-Learning, Tagesseminare oder Inhouse-Schulungen: Für die Nähe zur Praxis ist es der Referentin zufolge zwar sinnvoll, konkrete Produkte zu nennen, doch sollte dabei kein Medikament im Vordergrund stehen. Linnertz berichtete, dass der BVpta selbst ein hochwertiges Fortbildungsangebot erarbeitet habe – zwei Blockkurse am Wochenende zum Thema Homöopathie und Naturheilkunde. Ein Problem, sagte Linnartz, seien jedoch die hohen Kosten für Wochenend-Schulungen. Eine Chance, um die Kurse für PTA bezahlbar zu halten, sieht der BVpta in einer Kooperation mit der Pharmaindustrie.

 

Fortbildung muss praxisnah sein

 

Auch Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein, bestätigte die bedeutende Rolle der Naturheilkunde für die Offizin. Immer mehr öffentliche Apotheken profilierten sich auf diesem Gebiet, schon rund 1000 Apotheker hätten die Weiterbildung für Naturheilkunde und Homöopathie absolviert. Die Apotheken­akademie Nordrhein biete regelmäßig Seminare zu homöopathischen Themen an, die gut besucht seien.

 

Apotheken reagierten auf das starke Interesse der Bevölkerung, indem sie Homöopathika immer häufiger in der Sichtwahl präsentierten, berichtete Preis. Er erinnerte daran, dass homöopathische Arzneimittel grundsätzlich apothekenpflichtig sind. Das habe einen guten Grund. Es sei eine wichtige Aufgabe von Apothekern, die Grenzen der Selbstmedikation im Blick zu behalten und Kunden gegebenenfalls an den Arzt zu verweisen.

 

Siegel für Natur-Arznei-Apotheken

 

Seit Kurzem können Apotheken sich als »Competence Center für Natur-Arznei« profilieren. Diethard P. Grundl von der Marketing-Gesellschaft Deutscher Apotheker (MGDA) stellte ein Konzept von BAH und Pharmaherstellern vor, das die Fachkompetenz von Apothekern und PTA stärkt und zugleich das Marketing unterstützt. Herzstück ist eine von der Bundesapothekerkammer akkreditierte Online-Schulung mit 21 Kursen. Sie greift auf die Erfahrungen mit der MGDA-Lernplattform zurück, die es schon seit dem Jahr 2003 gibt. »Wir haben die Plattform nach den neuen Richtlinien der Bundesapothekerkammer weiterentwickelt«, erklärte Grundl. Jede angemeldete Apotheke, die belegt, dass mindestens ein Mitarbeiter erfolgreich an der Schulung teilgenommen hat, ist berechtigt, sich als »Competence Center für Natur-Arznei« zu präsentieren. Einmal jährlich ist eine Aufbauschulung nachzuweisen. Die Apotheken erhalten Werbemittel wie Türaufkleber, Polo-Shirts, Faltblätter und Poster. Konkrete Marketingvorschläge für Apotheken sollen folgen.

 

In Sachen Fortbildung kooperiert der BAH seit Neustem auch mit der Niedersächsischen Akademie für Homöopathie und Naturheilverfahren. Zum Beispiel unterstützt er Kurse, bei denen sich PTA weiterbilden können, um anschließend Fachberatung für Homöopathie oder Schüßlersalze zu leisten. Der BAH wolle sich künftig bei der Auswahl von Inhalten und Referenten einbringen und neue Themen vorschlagen, berichtete Dr. Barbara Steinhoff, beim BAH zuständig für pflanzliche Arzneimittel/Homöopathie. »Wichtig ist uns, dass die Seminare ausgewogen und produktneutral erfolgen.« /

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