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Familienausstellung

»Medizin zieht immer«

20.09.2017
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Von Ulrike Abel-Wanek / In diesem Krankenhaus müssen Kinder keine Angst vor Spritzen haben. Im Gegenteil. Kleine Forscher können hier selbst aktiv werden und das Herz abhören, Organe erraten oder unterm Mikroskop der Kleiderlaus nachspüren.

»Es gibt eine kindgerechte Kranken hausstrecke mit Wartebereich, Patientenzimmer, OP-Saal, Forschungslabor und Apotheke«, sagte die Leiterin der Universitätsmedizin Rostock, Kerstin Beckmann, der PZ. Die Ausstellung »Heile, heile Gänschen«, die sich vor allem an Kinder richtet, ist das dritte Projekt, das Beckmann organisiert, um die Medizin einem breiten Publikum näherzubringen. Nach zwei zurückliegenden Präsentationen mit medizinhistorischen Fotos und alten medizinischen Geräten, Instrumenten und Kleidungsstücken, kehrt die Universitätsmedizin Rostock mit der jetzigen Ausstellung in die Gegenwart zurück.

»Kinder haben viel Spaß in der interaktiven Schau, und gleichzeitig gibt es viel zu Lernen und zu Staunen«, so Beckmann. Beispielsweise über den meterlangen Darm des 2,30 Meter großen Organteddys oder auch die Wirkung von zu viel Alkohol, die mithilfe der sogenannten Alkoholbrille imitiert wird. Sie hat speziell geschliffene Gläser, die die Wahrnehmung der Umgebung so stark verzerren, »dass auf unserem Hindernis-Parcours so mancher aus dem Ruder läuft«, sagt Beckmann lachend. Dass es aber nicht lustig ist, zum Beispiel betrunken Auto zu fahren, zeigen kindgerechte Begleittexte, die Eltern dem jüngeren Nachwuchs auch vorlesen können.

 

Die Schau spannt einen weiten Bogen – von Präparaten mit Krebsarten, die durchs Rauchen entstehen können und einem echten Herz bis zum Cola-Experiment. Hier wird gerätselt und beobachtet, ob die süße Brause Fleisch zersetzen oder Nägel entrosten kann. Aufgeräumt wird auch mit Medizin-Mythen wie: »Kaugummi verklebt den Magen«, »beim Schielen bleiben die Augen stehen« oder »mit vollem Bauch soll man nicht schwimmen gehen«. Experten erklären, was davon zutrifft.

 

Mörsern in der Apotheke

 

»Wir zeigen in der Schau auch eine Apotheke, weil es in der Unimedizin Rostock eine eigene Krankenhaus-Apotheke gibt«, so die Ausstellungs-Initiatorin. Das sei vielen Patienten und Angehörigen gar nicht klar. Viele Medikamente würden dort noch selbst produziert. Und das könne man auch in der Ausstellung. Mit dem Mörsern von Grieß, Reiskörnern und bunten Streuseln und verschiedenen Labor-Experimenten bekämen Besucher hier einen ersten Einblick in die »Rezeptur«. Geplant ist die Ausstellung bis Mitte Januar 2018. »Wir hoffen auf rund 10 000 Besucher. Schon die letzten zwei Ausstellungen waren sehr gut besucht«, so Beckmann. Medizin ziehe immer. /

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