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HIV-Prophylaxe für 50 Euro

20.09.2017
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Von Jennifer Evans / Ein Generikum des Medikaments Truvada® (Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil) soll bald in sieben deutschen Großstädten erhältlich sein. Wie die die Deutsche Aids Hilfe (DAH) vergangene Woche mitteilte, soll die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) für rund 50 Euro im Monat noch im September kommen.

 

Um eine Infektion zu verhindern, nehmen HIV-negative Menschen bei der PrEP HIV-Medikamente ein. In dieser Indikation sind hierzulande Truvada und ein Generikum zugelassen. Die Kosten sind allerdings für die meisten Betroffenen zu hoch. Nach DAH-Angaben kostet das Originalpräparat mehr als 800 Euro, das Hexal-Generikum rund 600 Euro. Die Kassen zahlen jedoch nicht dafür.

 

Der Kölner Apotheker Erik Tenberken hat nun eine Lösung gefunden, um die PrEP kostengünstig anzubieten. Er kauft das Generikum zum Vorzugspreis direkt bei Hexal und verpackt es in Blister neu. So entsteht ein neues Präparat, das nur für die Prophylaxe zugelassen ist. Laut DAH bleibt der Verkauf des Medikaments für die Therapie so unberührt. Folglich kann Tenberken 28 Tabletten für lediglich rund 50 Euro anbieten.

 

Die DAH bewertet dies als einen Durchbruch. Vorstand Ulf Hentschke-Kristal betonte, Tenberkens kreative Idee verschaffe jenen Menschen nun endlich Zugang zur Prophylaxe, die sie dringend brauchten. Einziger Kritikpunkt: »Die Lösung ist dieses Modell aber noch nicht: Zum einen ist die PrEP nicht überall verfügbar, zum anderen können sich auch 50 Euro nicht alle Menschen leisten. Wir brauchen einen flächen­deckenden, über die Krankenkassen finanzierten Zugang zur HIV-Prophylaxe«, so Hentschke-Kristal. Deutschland müsse die enorme Chance der PrEP ergreifen, betonte der DAH-Vorstand. Andere Länder wie etwa die USA, Frankreich und Schweden profitierten bereits davon. /

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