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HIV-Prophylaxe

Kaliforniens Apotheker dürfen PrEP und PEP ohne Rezept abgeben

In Kalifornien sollen die Apotheker demnächst HIV-Medikamente zur Prä- und Postexpositionsprophylaxe (PrEP und PEP) eigenständig abgeben dürfen. Damit soll die Verbreitung der Viruserkrankung weiter eingedämmt werden.
Daniela Hüttemann
09.10.2019
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Am Montag hat der kalifornische Gouverneur Gavin Newsomein entsprechendes Gesetz unterzeichnet. Damit wird Kalifornien der erste Staat der USA sein, in dem Apotheker ohne ärztliche Verschreibung PrEP- und PEP-Medikamente abgeben dürfen. Gemäß den Angaben des California Health Benefits Review Program nutzen etwa 30.000 Menschen in dem Bundesstaat die PrEP, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Dabei muss einmal täglich eine Tablette mit einem antiretroviralen Wirkstoff eingenommen werden. Weitere 6.000 nehmen entsprechende Medikamente zur Postexpositions-Prophylaxe ein, also direkt nach einer mutmaßlichen Infektion mit dem HI-Virus.

Vor allem in dieser Indikation sollen die Zahlen deutlich steigen, hofft Rick Zbur, Direktor der Bürgerrechtsorganisation Equality California, die sich für die Interessen der LGBTQ-Bevölkerung einsetzt (LGBTQ steht für Lesben, Schwule (Gay), Bisexuelle, Transgender und Queer). Eine PEP muss innerhalb von 72 Stunden nach Viruskontakt, zum Beispiel bei einer Kondompanne, aufgenommen werden, um zu verhindern, dass sich das Virus im Körper festsetzen kann. »Nicht jeder schafft es, in diesem Zeitfenster zum Arzt zu gehen«, so Zbur gegenüber der Nachrichtenagentur AP. »Die Möglichkeit, sich das Medikament in der Apotheke selbst zu besorgen, ist eine riesige Hilfe, diese Hürde zu überwinden.« Vor allem in ländlichen Gegenden und für Minderheiten erhofft sich die Organisation eine deutliche Verbesserung der Versorgung.

Zunächst war die kalifornische Ärztevereinigung gegen die Freigabe, berichtet die »New York Times«. Die Ärzte hätten sich jedoch neutral positioniert unter der Vorgabe, dass ein Patient maximal 60 PrEP-Tabletten ohne Rücksprache mit dem Arzt erhalten darf. Das Gesetz sieht zudem vor, dass die Anwender zuvor keine Genehmigung ihrer Krankenversicherung einholen müssen, um eine weitere Hürde zu überwinden.

»Um HIV-Neuansteckungen zu beenden, müssen wir den Zugang zu PrEP und PEP dramatisch ausweiten«, sagte Senator Scott Wiener der »New York Times«. Noch viel zu wenige Kalifornier hätten Schwierigkeiten, an diese Medikamente zu kommen. Die neue Regelung tritt ab Juli 2020 in Kraft.

Weitere Option zur PrEP

Bislang stand für die PrEP nur eine Wirkstoffkombination zur Verfügung: Truvada® von Gilead Sciences mit den Wirkstoffen Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil sowie entsprechende Generika. Dieselbe Kombination ist auch in der EU seit 2016 zur Prophylaxe offiziell indiziert. Erst letzte Woche hat die US-Zulassungsbehörde FDA ein weiteres Medikament für die PrEP zugelassen: Descovy®, ebenfalls von Gilead. Es enthält ebenso wie Truvada Emtricitabin, aber statt Tenofovirdisoproxil ein anderes Salz, das Tenofoviralafenamid. Bei beiden Wirkstoffformen handelt es sich um Prodrugs, die im Körper in den aktiven Arzneistoff verstoffwechselt werden. Dabei kann Tenofovirlafenamid deutlich geringer dosiert werden und es verbleiben weniger Reste im Plasma, sodass weniger Nebenwirkungen wie Nierenschäden auftreten. 

Gemäß den Deutsch-Österreichischen Leitlinien wird zur Postexpositionsprophylaxe eine Kombination aus Emtricitabin, Tenofovirdisoproxil plus Raltegravir (Isentress®) oder Dolutegravir (Tivicay®) einmal täglich über vier Wochen lang als Standard empfohlen. Diese Kombination ist in Deutschland bislang nicht als Single-Tablet-Regime erhältlich.

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