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Apotheker diskutieren

Neues ­Vergütungsmodell für Zytostatika

20.09.2017  10:26 Uhr

Als Konsequenz aus dem Bottroper Skandal um gepanschte Krebsmedikamente fordern die Apothekerverbände ein neues Vergütungsmodell für die Zytostatika-Herstellung.

 

Künftig dürfe nur noch die Herstellung der Mittel vergütet werden, forderte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt bei einer Pressekonferenz zum Start des Deutschen Apothekertags in Düsseldorf. 

 

Geld sollten die Apotheken »nur noch für tatsächlich erbrachte Leistung« bekommen und nicht mehr für die Wirkstoffe. Bei der Honorierung der Produktion würden bisher »falsche Anreize gesetzt«.

 

In den spezialisierten Apotheken müsse es »gezielte Kontrollen« geben, sagte Schmidt. »Aber auch das dahinterliegende Vergütungsmodell muss insgesamt geändert werden.« Auslöser der aktuellen Diskussion waren die Vorkommnisse um einen Bottroper Apotheker, der in mehr als 60 000 Fällen Krebsmedikamente erheblich verdünnt hatte und so Krankenkassen um 56 Millionen Euro geprellt hatte. Mehr als 1000 Patienten sollen betroffen sein. Der beschuldigte Apotheker sitzt in Untersuchungshaft.

 

Der angeklagte Apotheker habe »offenbar ganz bewusst die Schädigung von Patienten nicht nur einkalkuliert, sondern zum Prinzip der Methodik gemacht«, sagte Schmidt. »Wenn das so stimmt, ist eigentlich jede Maßnahme gerechtfertigt, die solche Dinge in Zukunft ausschließt.« In dem Bottroper Skandal seien »nicht nur alle Gesetze, sondern auch alle berufsethischen Grundsätze verletzt und in den Dreck geworfen worden«. Der Fall sei seiner Ansicht nach aber ein »extrem krasser Einzelfall«. /

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