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Herzinfarkt

Betablocker ohne Einfluss in der Sekundärprophylaxe

20.09.2017
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Von Daniela Hüttemann / Betablocker scheinen in der Sekundärprophylaxe nach einem Herzinfarkt verzichtbar zu sein. Einer im »Journal of the American College of Cardiology« veröffentlichten Studie zufolge ist die Zweierkombina­tion aus einem Statin plus ACE-Hemmer ebenso wirksam wie die Dreierkombination mit einem zusätzlichen Betablocker (DOI: 10.1016/j.jacc.2017.07.783).

 

Die Autoren von der Eshelman School of Pharmacy in North Carolina um Dr. Gang Fang werteten die Daten von mehr als 90 000 US-amerikanischen Patienten aus, die älter als 65 Jahre waren und einen Herzinfarkt erlitten hatten.

Alle bekamen eine Triple-Therapie bestehend aus einem Betablocker, Statin und ACE-Hemmer oder AT1-Blocker verordnet. Etwa die Hälfte der Patienten hatte sechs ­Monate nach dem Infarkt mindestens eines der Medikamente abgesetzt, stellten die Forscher fest, als sie überprüften, ob die Patienten ihre Rezepte eingelöst hatten.

 

Ein Jahr nach dem Herzinfarkt lag die Sterberate bei den adhärenten Patienten bei 9,3 Prozent. Bei denjenigen, die nur den Betablocker abgesetzt hatten, lag die Mortalität bei 9,1 Prozent – ein statistisch nicht signifikanter Unterschied. Andere Zweierkombinationen oder auch Monotherapien schnitten schlechter ab. Die höchste Sterberate mit 14,3 Prozent zeigten diejenigen, die alle drei Medikamente abgesetzt ­hatten.

 

»Das Problem einer Triple-Therapie ist, dass es für die Menschen schwierig ist, ihre Medikamente langfristig wie verordnet einzunehmen«, sagt Seniorautor Fang in einer Pressemitteilung. Das gelte insbesondere für ältere Pa­tienten, die bereits andere Arzneimittel einnehmen. »Wir sagen nicht, dass ­Betablocker keinen Wert haben. Doch ihre Vorteile scheinen durch das ACE-Hemmer/Statin-Duo in den Schatten gestellt zu werden.«

 

Vorsicht bei Diabetes und Demenz

 

Die Studie zeigte zudem, dass Patienten mit Diabetes, Demenz oder beidem sogar eine höhere Sterbewahrscheinlichkeit hatten, wenn sie einen Beta­blocker einnahmen. Bei diesen sollten Ärzte nach einem Herzinfarkt erhöhte Vorsicht bei der Verordnung von Betablockern walten lassen. Weitere Forschung sei jedoch nötig. /

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