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Myome

Möglichst schonend therapieren

15.09.2015
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Von Elke Wolf / Die Myom-Therapie befindet sich im Umbruch. Während noch vor wenigen Jahren bei starken Regelschmerzen und -blutungen relativ großzügig zu einer kompletten Entfernung der Gebärmutter geraten wurde, kommen heute schonendere Methoden zum Einsatz.

Myome sind gutartige Wucherungen, die prinzipiell überall in der glatten Muskelschicht in der Gebärmutter entstehen können. Jede vierte bis sechste Frau in Europa im gebärfähigen Alter hat solche Wucherungen, die somit zu den häufigsten gutartigen Tumoren der Frau gehören (siehe Kasten). Doch viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie solche Geschwulste mit sich herumtragen. Denn längst nicht bei allen machen die Myome auch Probleme. Etwa ein Viertel der Frauen verspürt keinerlei Beschwerden; dann ist auch keine Behandlung nötig. Oft werden Myome zufällig bei der Krebsfrüherkennungsuntersuchung per Ultraschall vom Gyn­äkologen diagnostiziert.

Bei den anderen Frauen machen die Geschwulste mitunter deutlich auf sich aufmerksam. Abhängig davon, wo das Myom wächst, wie viele Knoten bestehen und wie groß sie sind, variieren die Symptome. Starke, lang andauernde Blutungen entstehen, weil sich die Gebärmutter aufgrund der Knoten nicht mehr richtig kontrahieren kann. Mit zunehmender Blutungsstärke (Achtung: Anämiegefahr!) entstehen auch vermehrt Gerinnsel, deren Ausscheidung wiederum starke Krämpfe mit sich bringen kann.

 

Fehl- und Frühgeburten möglich

 

Sehr große Myome können mitunter auf benachbarte Organe wie die Harnblase, den Darm oder die Nieren drücken. Die Folgen sind verstärkter Harndrang, Verstopfung oder Schmerzen in Bauch und Rücken. Reizt das Myom einen Nerv, etwa den Ischiasnerv, spüren Frauen einen ziehenden Schmerz in den Beinen oder im unteren Rücken. Und auch eine Schwangerschaft kann durch bestimmte Myome erschwert oder gänzlich verhindert werden. Ob allerdings deren chirurgische Entfernung die Fruchtbarkeit der Frau verbessert, ist derzeit nicht endgültig geklärt. Erwiesen dagegen ist, dass sie bei Schwangeren Fehl- und Frühgeburten auslösen können. Komplikationen wie vorzeitiger Blasensprung oder Plazenta-Ablösung werden ebenfalls diskutiert.

 

Grundsätzlich gilt: Myome werden in der Regel nur dann behandelt, wenn sie Beschwerden verursachen oder wenn Komplikationen drohen. Verhalten sie sich ruhig, sollten sie regelmäßig etwa alle halbe Jahre kontrolliert werden. Es stehen verschiedene Therapien zur Verfügung. Welche zum Einsatz kommt, ist abhängig von der Größe und Lage des Myoms, dem Alter der Patientin, ihrer Familienplanung sowie der Art der Beschwerden.

 

So spielt die Behandlung mit Medikamenten nur eine untergeordnete Rolle und soll häufig nur die Zeit bis zur Operation oder bis zum Eintritt der Wechseljahre überbrücken. Zum Einsatz kommen zum einen Estrogen-­Gegenspieler wie Gestagene oder Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analoga wie Leuprorelin, Triptorelin und Goserelin. Sie bremsen das Wachstum der Knoten zumindest vorübergehend um bis zu 50 Prozent. Zum anderen bietet der selektive Progesteron­rezeptor-Modulator Ulipristalacetat, auch bekannt als Pille danach, eine weitere Möglichkeit, das Zellwachstum zu hemmen. In etwa 50 Prozent der Fälle ist Ulipristalacetat zumindest insoweit effektiv, dass die geplante Operation verschoben oder abgesagt werden kann.

Noch vor einigen Jahren war es üblich, Frauen mit Myomen, die Beschwerden bereiten, die Gebärmutter komplett zu entfernen. Heute erfolgt ein operativer Eingriff möglichst schonend; die Gebärmutter soll wenn möglich erhalten bleiben. Eine Komplett­entfernung (Hysterektomie) ist nur dann eine Option, wenn Frauen mit der Familienplanung abgeschlossen haben oder wenn sich viele oder schnell wachsende Myome finden.

 

Zu den schonenden Myom-Eingriffen zählt etwa die sogenannte Ausschälung, bei der die Wucherung während einer Bauch- oder Gebärmutterspiegelung minimalinvasiv aus dem Uterus herausgeschält und durch die Bauch­decke oder die Scheide entfernt wird. Geschwulste, die sehr groß sind oder ungünstig liegen, erfordern einen größeren Bauchschnitt. Der Eingriff befreit die Betroffenen nicht unbedingt dauerhaft von ihrer Pein: In bis zu 30 Prozent der Fälle, wachsen Myome wieder nach. Außerdem kann es wie bei allen anderen Eingriffen zu Komplikationen wie Blutungen oder Verwachsungen kommen.

 

Eine Alternative zur Operation ist die sogenannte Embolisation, bei der das Myom von der Blutversorgung abgeschnitten und so quasi ausgehungert wird. Dazu wird über die Leiste ein Katheter zu der Arterie vorgeschoben, die das Myom versorgt. Darüber spritzt der Arzt unter Röntgenkontrolle winzige Kunststoffpartikel, die das Gefäß verstopfen. Nach und nach bildet sich die Geschwulst zurück. Nebenwirkungsfrei ist die Methode aber nicht: Es besteht das Risiko, dass die Kunststoffpartikel auch andere versorgende Arterien wie etwa die der Eierstöcke oder der Gebärmutter verschließen und damit zu Unfruchtbarkeit führen. Daher wird die Embolisation bevorzugt bei Frauen angewendet, die nicht mehr schwanger werden wollen.

 

Zerstörung ohne Schnitt

 

Ein noch recht junges, aber effektives Verfahren ist der sogenannte hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU), der Myome ohne Schnitt oder Punktion durch die intakte Haut unter MRT-Kontrolle hinweg zerstört. Dabei bündelt der Ultraschallkopf die hochenergetischen Schallwellen wie bei einem Hohlspiegel in einem Brennpunkt innerhalb des menschlichen Körpers. Durch die Absorption der Ultraschallwellen entsteht Wärme, die das Gewebe im Fokus des Ultraschalls auf etwa 60 bis 85° Celsius erhitzt. Eine thermische Koagulation setzt ein und das Myom wird quasi eingeschmolzen. Abgestorbenes Gewebe stößt der Körper ab oder resorbiert es.

 

Großer Vorteil der Methode: Anstelle einer Vollnarkose bekommt die Frau lediglich ein Beruhigungsmittel und ein Analgetikum. Nach wenigen Stunden kann sie die Klinik wieder verlassen. Allerdings ist die Methode nicht für alle geeignet. Idealerweise sollten die Patientinnen nicht mehr als fünf Myome haben, die jeweils nicht größer als 10 cm sind. Ausgeschlossen sind Myome, die sich hinter eine Darmschlinge verbergen oder sehr blut­gefäßreich sind, da viele Gefäße die zugeführte Wärme schnell abführen würden. Schwangere oder Frauen, die keine MRT-Untersuchung haben dürfen – weil sie etwa einen Herzschrittmacher tragen oder eine Allergie auf Kontrastmittel haben – kommen nicht infrage. Außerdem gehört die Therapie bislang nicht zu den Standardleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. /

Myome auf Wachstumskurs

Myome sind gutartige Wucherungen, die einzeln, aber auch in größerer Zahl über die Gebärmutterwand verteilt auftreten können. Ihre Größe variiert von wenigen Millimetern bis zu 20 Zentimetern.

 

Sie entwickeln sich erst jenseits der Pubertät, da ihr Wachstum hormongesteuert ist. Im Myomgewebe ist die Anzahl der Rezeptoren für Estrogen und Progesteron erhöht, wobei eine besonders hohe Dichte an Estrogen­rezeptoren herrscht. Dieser Überschuss scheint das übermäßige Wachstum auszulösen. Das ist auch der Grund, warum eine Schwangerschaft, orale Kontrazeptiva oder eine Hormon­ersatztherapie Auswirkungen auf das Wachstum der Knoten haben. Nach der Menopause bilden sie sich mehr und mehr zurück. Frauen, die bis zu den Wechseljahren keine Myome hatten, können deshalb danach auch keine mehr bekommen.

 

Da Myome von einer kapselartigen Struktur umgeben sind, infiltieren sie nicht in umliegendes Gewebe. Deshalb zählen sie zu den gutartigen Tumoren. Die Gefahr, dass sich aus einem Myom ein bösartiges Sarkom entwickelt, besteht nach heutigem Kenntnisstand nicht. Neuere genetische Untersuchungen machen es unwahrscheinlich, dass diese Tumore aus vorbestehenden gutartigen Tumoren hervorgehen. Es ist jedoch nicht immer möglich, ein gutartiges Myom ohne chirurgischen Eingriff von einem Sarkom zu unterscheiden.

 

Warum Myome überhaupt entstehen, darüber gibt es wenige gesicherte Erkenntnisse. Eine genetische Komponente scheint jedoch eine gewisse Rolle zu spielen. So treten Myome bei Töchtern, deren Mütter oder Großmütter Myomträgerinnen waren, häufiger auf. Und auch die Tatsache, dass dunkelhäutige Frauen ein um den Faktor zwei bis drei erhöhtes Erkrankungsrisiko haben, deutet auf eine genetische Basis hin. Ein frühes Einsetzen der Regelblutung sowie Übergewicht sind ebenfalls mit einem erhöhten Risiko assoziiert.

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