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Mit Thymian und Primel gegen Husten und Schleim

18.09.2006
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Mit Thymian und Primel gegen Husten und Schleim

Von Bettina Neuse-Schwarz

 

Ein standardisierter Thymian-Primelwurzel-Extrakt lindert die Beschwerden einer akuten Bronchitis und verkürzt die Krankheitsdauer. Dies belegt eine placebokontrollierte randomisierte Doppelblindstudie.

 

Einbezogen in die Studie waren 150 Erwachsene mit akuter Bronchitis. Sie bekamen entweder fünfmal täglich 30 Tropfen Verum (Bronchicum® Tropfen) oder Placebo. Primäres Zielkriteriun war eine Verringerung des Bronchitis-Schwere-Scores (BSS), bestehend aus den fünf Bronchitissymptomen Husten, Sputum, Rasselgeräusch, Brustschmerz beim Husten und Dyspnoe. Jedes Symptom wurde auf einer 5-Punkte-Skala bewertet (0 = nicht vorhanden, 1 = gering, 2 = mäßig, 3 = stark, 4 = sehr stark). Sekundäres Zielkriterium war die Beschwerdefreiheit.

 

Nach sieben bis neun Tagen war der BSS in der Verum-Gruppe von 12,0 +/-4,4 Punkten auf 1,0 +/- 2,1 gesunken. In der Placebogruppe nahm im gleichen Zeitraum der Wert dagegen nur von 11,7 +/-4,3 auf 6,5 +/-4,8 ab. Dieser Unterschied war hoch signifikant. Auch im Hinblick auf die Beschwerdefreiheit schnitt die Verum-Gruppe signifikant besser ab als Placebo. In Zahlen: Unter der Bronchicum-Therapie waren  am Studienende 58,7 Prozent Prozent der Patienten ohne Beschwerden, in der Placebogruppe nur 5,3 Prozent.

 

Tropfen oder Saft?

 

In einer Vergleichsstudie sollte die Wirksamkeitsäquivalenz von Bronchicum® Elixir S und Bronchicum-Tropfen untersucht werden. Das Elixir ist nichtalkoholisch und zugelassen zur Anwendung bei Kleinkindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Es  enthält 5 g Thymianfluidextrakt (1:3) und 2,5 g Primelwurzelfluidextrakt (1:2) pro 100 g Zubereitung. Die Tropfen sind zugelassen zur Anwendung bei Jugendlichen und Erwachsenen. Sie enthalten pro 100 g alkoholische Lösung 40 g Thymianfluidextrakt (1:3) und 20 g Primelwurzeltinktur (1:5).

 

In die Studie wurden 190 Erwachsene mit akuter Bronchitis einbezogen. Die Patienten der Tropfen-Gruppe nahmen über sieben bis neunTage  fünfmal täglich 30 Tropfen (1ml) ein, die der Elixir-Gruppe über den gleichen Zeitraum sechsmal täglich 5 ml Elixir.

 

Am Studienende waren beide Gruppen beschwerdefrei, wobei sich kein Unterschied zwischen Elixir und Tropfen erkennen ließ. Unter Elixir S sank der BSS von 11,0 +/- 5,0 Punkten zu Studienbeginn auf 2,6 +/- 4,6 Punkte (76 Prozent) am Studienende. Unter Bronchicum® Tropfen lagen die Werte bei 11,0 +/- 4,8 Punkten und 2,5 +/- 4,2  Punkten (77,1 Prozent). Die Verträglichkeit wurde jeweils als sehr gut eingestuft.

 

Auch Kinder profitieren

 

Akute Atemwegsinfektionen sind meist Viruserkrankungen, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Sie gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten: Erwachsene trifft es durchschnittlich zwei- bis fünfmal pro Jahr, Vorschulkinder sogar vier- bis zehnmal. Im Mittelpunkt neuer klinischer Studien und Anwendungsbeobachtungen mit den beiden Bronchicum®-Darreichungsformen standen die Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Erwachsenen und bei Kindern.

 

In zwei Anwendungsbeobachtungen wurden Wirkung und Verträglichkeit der beiden Bronchicum-Zubereitungen bei Kindern und Kleinkindern mit akuter Bronchitis untersucht. Einbezogen wurden die Daten von ingesamt 949 Kindern. Beurteilungsparameter war der Rückgang der Hustensymptomatik. Anhand der 5-Punkte-Skala von 0 = nicht vorhanden über gering, mäßig, stark bis zu 4 = sehr stark wurden der Schweregrad des Hustens, die Hustenanfälle pro Tag, pro Nacht und die Beeinträchtigung der Schlafqualität ermittelt.

 

Bei den Kindern, die mit dem Elixir behandelt wurden (n = 839), wiesen die Ein- bis Vierjährigen (n= 474) Besserungsraten von 80 bis 90 Prozent auf; sie hatten über sechs bis acht Tage sechsmal täglich 2,5 ml Elixir  eingenommen. Die Fünf- bis Zwölfjährigen (n = 365) zeigten Besserungsraten von 77 bis 94 Prozent; sie hatten über den gleichen Zeitraum sechsmal täglich 5 ml Elixir bekommen. Die Besserungsraten der Kinder (n = 110, Alter sechs bis 12 Jahre), die mit den Tropfen (fünfmal/d 25 Tropfen) behandelt wurden, lagen zwischen 74 und 89 Prozent und waren damit vergleichbar. Beide Zubereitungen wurden als gut bis sehr gut verträglich bewertet. Ebenso die Compliance: Sie wurde in allen drei Gruppen zu über 90 Prozent als gut oder sehr gut eingestuft.

Dualer Wirkmechanismus

Hauptinhaltsstoffe von Thymiankraut sind  die beiden etherischen Öle Thymol und Carvacrol. Ihnen werden sekretolytische, antibakterielle, sekretomotorische und spasmolytische Wirkungen zugeschrieben.  Neben der direkten Sekretolyse sollen sie durch eine Verbesserung der Zilientätigkeit das Abhusten von zähem Schleim erleichtern. Zudem sollen sie zusammen mit den ebenfalls enthaltenen Flavonoiden Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur lösen.

 

Primelwurzel enthält Phenylglykoside mit entzündungshemmenden Effekten und Triterpensaponine. Letztere werden für die sekretolytischen Effekte der Droge verantwortlich gemacht. Anders als die etherischen Öle beim Thymian, die die Zellmembranen der Atemwege direkt beeinflussen und so direkt sekretolytisch wirken, wirken Primelwurzel-Saponine indirekt. Die Sekretolyse erfolgt hier reflektorisch, durch Reizung der Magenschleimhaut.

 

Thymiankraut und Primelwurzel unterstützen sich  gegenseitig in ihren Wirkeffekten, wobei  jeweils unterschiedliche Wirkmechanismen zugrunde liegen. In einer aktuellen In-vitro-Studie konnten die synergistischen Effekte der beiden Arzneipflanzen belegt werden: So hemmte eine Kombination aus Thymian- und Primelwurzel-Inhaltsstoffen die durch Lipopolysaccharide (Endotoxine) induzierte Ausschüttung von Interleukin-8 in menschlichen Monozyten deutlich stärker als die jeweiligen Monoextrakte. Der Effekt war dosisabhängig.

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