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Altershilfen

Die Suche nach Geschäftsmodellen

13.09.2011
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Von Martina Janning, Berlin / Mit technischen Geräten und Dienstleistungen können alte Menschen länger zu Hause leben. Wie sich das bezahlen lässt, ist noch weitgehend offen. Einige Ideen gibt es aber.

Der Hausnotruf ist eines der bekanntesten Geräte, das Menschen ein Leben in ihren eigenen vier Wänden erlaubt, obwohl sie alt, krank oder gebrechlich sind. Solche technische Hilfen für daheim werden in den kommenden Jahren wichtiger werden, glauben viele Experten. Denn laut Umfragen wollen die meisten Menschen im Alter so lange wie möglich in ihrer Wohnung bleiben. Zugleich fehlen aber Pflegekräfte für die Betreuung zu Hause. Aus diesem Dilemma können technische Assistenzsysteme einen Weg weisen. Der Hausnotruf ist ein gutes Beispiel dafür.

Er ist auch ein Beispiel dafür, wie technische Systeme, in der Fachsprache Ambient Assisted Living (AAL) genannt, finanziert werden können. Denn technisch ist inzwischen vieles möglich: von Teppichböden mit Sensoren, die einen Alarm senden, wenn jemand stürzt, bis hin zu Kühlschränken, die automatisch Lebensmittel nachbestellen, die dann nach Hause geliefert werden. Eine vielfach offene Frage ist jedoch, wer die technischen Helfer bezahlt.

 

Pflegekasse übernimmt Teil der Kosten

 

Beim Hausnotruf ist diese Frage sehr oft geklärt. »80 Prozent der Hausnotrufe, die die Johanniter Unfallhilfe betreut, werden über die gesetzliche Pflegeversicherung finanziert«, berichtete Anja Gothan vom Landesverband Berlin-Brandenburg der Johanniter Unfallhilfe vorige Woche beim »Zukunftsforum Langes Leben« in Berlin. Ab Pflegestufe eins übernimmt die Pflegekasse einen Betrag von 18,36 Euro im Monat. Zusätzliche Dienstleistungen, wie das Hinterlegen eines Wohnungsschlüssels bei den Johannitern, kosten extra. »Etwa 10 Prozent unserer Kunden nutzen solche Zusatzleistungen«, sagte Gothan.

 

Während die Johanniter schon Geschäftsmodelle für Hilfsleistungen in den eigenen vier Wänden gefunden haben, sucht die Allianz-Versicherung noch danach. Dabei stehe die Frage nach der Zielgruppe im Vordergrund, berichtete Dr. Rüdiger Hermann, Vorsitzender der Geschäftsführung der AGA Service Deutschland GmbH, die zur Allianz-Gruppe gehört. Die Menschen, die sich technische AAL-Systeme leisten könnten, bräuchten sie nicht. Sie könnten sich auch Hilfskräfte leisten, die ihnen zur Hand gehen.

 

Als eine mögliche Zielgruppe habe die AGA Service Deutschland erwachsene Kinder im Auge, die für ihre alten Eltern eine Versicherung abschließen. Derzeit arbeite das Unternehmen an einem Service-Center, das rund um die Uhr erreichbar ist. Es soll verschiedene, kombinierbare Module anbieten – zum Beispiel Pflege und medizinische Hilfe, Betreuung und Versorgung, Reparatur und Umbau der Wohnung. Geplant ist ein persönlicher Ansprechpartner, der für alle Bereiche zuständig ist. Die Kosten für eine solche Versicherung bezifferte Hermann auf 5000 bis 10 000 Euro im Jahr.

 

Sogar kommunale Unternehmen haben die alternde Gesellschaft als Geschäftsfeld erkannt. Doch im Gegensatz zu Privatfirmen seien Stadtwerke, Wasserbetriebe, städtische Müllabfuhr und andere kommunale Betriebe »der Daseinsvorsorge verpflichtet«, sagte Dr. Barbara Praetorius vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Kommunale Betriebe seien nah am Bürger und genössen deren Vertrauen.

 

Mobilität ist ein großes Thema

 

Neben dem »Smarthome«, in dem zum Beispiel Haushaltsgeräte, die Beleuchtung und elektronische Rollläden intelligent vernetzt sind, ist laut Praetorius Mobilität ein großes Thema. Bei Elektrofahrrädern, auch in Form von Dreirädern, engagierten Stadtwerke sich stark. »Etwa 50 Stadtwerke haben derzeit ein Elektromobilitätsprogramm«, erklärte die Bereichsleiterin für Grundsatz, Strategie, Innovation beim VKU.

 

Um technische Assistenzsysteme in Zukunft betreiben zu können, brauche es auch auf dem Land leistungsstarke Internetzugänge. »Stadtwerke betätigen sich zunehmend als Dienstleister in diesem Bereich und verlegen Glasfaserkabel für eine schnelle Datenübertragung«, sagte Praetorius. Etwa 90 kommunale Unternehmen machten das schon. / 

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