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Über Impfen reden

05.09.2018
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Werdende Eltern haben es nicht leicht – kaum ist der Schwangerschaftstest positiv, sollen sie sich für oder gegen Pränataldiagnostik entscheiden. Übelkeit und lange Verbotslisten verkomplizieren die Ernährung, eine Hebamme muss gefunden und die passende Babyausstattung besorgt werden. ­Permanent müssen sie sich in neue Sachverhalte einarbeiten und Entscheidungen treffen. Als ob das alles nicht für genug Verunsicherung sorgt, kommt kurz nach der Geburt dann auch noch die Sache mit dem Impfen.

 

So ging es auch dem Dokumentarfilmer David Sieveking und seiner ­Lebensgefährtin – er pro Impfen, sie dagegen. Und nun? Im Film »Eingeimpft«, der kommende Woche in die Kinos kommt, erzählt Sieveking von seiner Auseinandersetzung mit dem Thema (und mit seiner Freundin) auf dem Weg zur individuellen Impfentscheidung für die gemeinsame Tochter (lesen Sie dazu Impfen: Reden wir darüber).

 

Kritiker fürchten, dass Film und Buch mit dem plakativen Titel Wasser auf die Mühlen der Impfgegner sind. Vielleicht ist es auch eine Chance für Impfbefürworter und -gegner, miteinander ins Gespräch zu kommen. Nach der aktuellsten Studie der Bundeszentrale für gesundheit­liche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2016 sind höchstens 5 Prozent der ­Bevölkerung echte Impfgegner; gut drei Viertel der 16- bis 85-Jährigen bezeichnen sich selbst als Impfbefürworter. Der Rest hat wie Sieveking Bedenken, die wir Heilberufler mit guter Aufklärung ausräumen könnten.

 

Überlassen wir die verunsicherten Eltern nicht dem Internet, sondern klären sie offen und ehrlich über die großen Vorteile und geringen Risiken der Impfungen auf (lesen Sie dazu Unspezifische Impfeffekte: Training für das Immunsystem). Wer dazu noch weitere Argumentationshilfen braucht, findet sie auf der Website des Robert-Koch-Instituts.

 

Übrigens werden Impfungen laut BZgA-Studie auch häufig verpasst, weil Impftermine vergessen werden oder zu zeitaufwendig erscheinen. Apo­theken könnten als niedrigschwellige Anlaufstellen diese Probleme lösen helfen, sei es durch Impfberatung, Impfpasskontrolle oder sogar das Impfen selbst. Bei Erwachsenen dürfen das zum Beispiel die Kollegen in der Schweiz in den meisten Kantonen und bekommen es auch honoriert. In der vergangenen Saison ließen sich fast 20 000 Schweizer in der Apotheke gegen Grippe impfen, was die gesamte Durchimpfungsrate für Influenza erhöhte. Den Ärzten wurden also keine Impflinge »weggenommen«, wie eine aktuelle Bestandsaufnahme zeigt. Vielleicht sollten Apotheker, Ärzte und Krankenkassen hierzulande auch mal wieder übers Impfen reden. Denn wir Apotheker können mehr, als Lieferengpässe auszubügeln.

Daniela Hüttemann

Redakteurin Pharmazie

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