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Onkologische Betreuung statt Methadonrezept

06.09.2017
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Von Kerstin A. Gräfe / Das Interesse der Patienten an Methadon als Krebsmedikament ist groß, positive Erfahrungen allerdings sehr selten. Das ist das ­Ergebnis einer Online-Umfrage zum Thema Methadon, die die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und ­Medizinische Onkologie (DGHO) unter ihren Mitgliedern durchführte.

 

Von den 473 befragten DGHO-Mitgliedern gaben 83 Prozent an, von ihren Patienten in letzter Zeit oft oder sehr oft auf die Möglichkeit einer Methadon-Therapie angesprochen worden zu sein. 2 Prozent der Onkologen berichteten von Krankheitsverläufen, in denen eine direkte oder zusätzliche Wirkung von Methadon auf den Tumor plausibel schien. 

 

Dagegen gaben 20 Prozent der Befragten an, im Zusammenhang mit der Einnahme des Opioids unerwartete oder ausgeprägte Nebenwirkungen beobachtet zu haben. Nur sehr wenige Onkologen verschrieben Methadon selbst, vielmehr betreuten sie Patienten, denen Methadon von anderen Ärzten verordnet wurde. Eine besondere Rolle spielten die mit Methadon verbundenen Erwartungen. 77 Prozent der Befragten erlebten Gespräche über Methadon als kompliziert und 86 Prozent als emotional. 81 Prozent der Onko­logen berichteten, dass sich die Patienten nach den Aufklärungs­gesprächen enttäuscht zeigten.

 

Professor Dr. Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO, betont in einer Pressemitteilung, dass die Online-Umfrage die Breite der Debatte und die verschiedenen Perspektiven der Akteure deutlich mache. »Die Ergebnisse zeigen, dass unsere Patienten das Thema sehr häufig mit in die Sprechstunden bringen. Mit einer Methadon-Therapie verbinden sie Hoffnungen, die sich durch die aktuelle Evidenzlage und die praktischen Erfahrungen von Onkologen nicht rechtfertigen lassen. Die meisten brauchen gute onkologische Betreuung, Begleitung und Gespräche – nicht ein Methadon-Rezept«, so Bokemeyer. Die DGHO hatte bereits im April in ihrer Stellungnahme kritisiert, dass aufgrund der fehlenden Evidenz eine unkritische und undifferenzierte Off-Label-Anwendung von D,L-Methadon im Rahmen der Krebstherapie nicht gerechtfertigt ist. /

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