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Wussten sie schon, dass ...?

07.09.2016  08:57 Uhr

…Bücherleser länger leben?

Von Annette Mende / Der berühmte englische Satz »an apple a day keeps the doctor away« könnte bald eine Abwandlung erfahren. Forscher der ehrwürdigen Yale University haben nämlich herausgefunden, dass Lesen lebensverlängernd wirkt.

 

Frei nach dem Motto »a chapter a day keeps the doctor away« kommt es dabei aber nicht nur auf die absolute Lesezeit an. Auch der Gehalt des Lesestoffs spielt eine Rolle: Wer statt zum Buch lieber zur Zeitung oder zu Klatschblättern greift, muss mindestens doppelt so lange lesen, um Lebenszeit-technisch etwas für sich herauszuschlagen.

 

Für die im Fachjournal »Social Science & Medicine« erschienene Studie werteten die Autoren um Avni Bavishi die Daten von 3635 älteren Menschen aus. Diese wurden entsprechend ihren Lese­gewohnheiten in Gruppen eingeteilt: Gar-nicht-Leser, Wenig-Leser mit bis zu 3,5 Stunden pro Woche und Viel-Leser mit noch längerer wöchentlicher Lesezeit. Da die Autoren davon ausgingen, dass ein vermuteter lebensverlängernder Effekt des Lesens auf einer kognitiven Stimulation beruht, die sie Büchern eher zutrauten als Zeitschriften, erfassten sie die Lesezeit von Magazinen separat (DOI: 10.1016/j.socscimed.2016.07.014).

 

Die Analyse gab ihnen recht: Bücher­lesen bewirkte schon ab einer Dauer von 30 Minuten täglich einen Über­lebensvorteil, Zeitschriftenlesen erst ab einer Dosis von einer Stunde am Tag. Verglichen mit Personen, die überhaupt keine Bücher lasen, hatten Bücherleser eine um 20 Prozent geringere Mortalität. Der Zeitpunkt, zu dem 20 Prozent der Teilnehmer gestorben war, wurde bei Nichtlesern nach 85 Monaten, erreicht, bei Bücherlesern dagegen erst nach 108 Monaten – ein Unterschied von fast zwei Jahren. Die Detailauswertung zeigte, dass dieser Effekt nicht von potenziellen Einflussfaktoren wie Geschlecht, Gesundheitsstatus, Wohlstand und Bildungsniveau abhing, sondern wie vermutet von der Wirkung auf die Kogni­tion des Lesers.

 

Bei aller Eindeutigkeit lässt die Studie aber auch Fragen offen. Wie sieht es zum Beispiel mit Hörbüchern aus? Sie müssten eigentlich noch besser wirken als das Schmökern in Druck­erzeugnissen, denn wer ein Hörbuch hört, muss dazu nicht im Sessel sitzen, was ja bekanntlich schlecht für die Gesundheit ist. Auch eine Aufschlüsselung nach Genres wäre schön, damit sich gesundheits­bewusste Bibliophile künftig bei der Auswahl ihrer Lektüre daran orientieren könnten. Schließlich sollte auch noch jemand untersuchen, in welchem Lebensalter man mit dem Bücher­lesen anfangen sollte. Wenn nicht nur die ältere Generation profitiert, hätten jugendliche Leseratten künftig gegenüber ihren Eltern argumentativ ausgesorgt: »Ich kann jetzt nicht mein Zimmer aufräumen, ich bin gerade damit beschäftigt, meine Lebenserwartung zu optimieren.« /

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