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HIV

Truvada als Pille davor zugelassen

07.09.2016
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Von Annette Mende / Das antiretrovirale Kombinationsmittel Truvada® darf ab sofort in Europa auch zur Vorbeugung einer HIV-Infektion eingenommen werden. Laut Hersteller Gilead genehmigte die Europäische Kommission die entsprechende Zulassungserweiterung des Präparats.

Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko können demnach Truvada in Kombination mit Safer-Sex-Praktiken zur Verhinderung einer Infektion anwenden. Dazu nehmen sie einmal täglich eine der Emtricitabin- und Tenofovirdisoproxil-haltigen Filmtabletten ein. Die vorbeugende Anwendung eines HIV-Mittels wird auch als Präexpositionsprophylaxe (PrEP) bezeichnet.

Die Zulassung beruht auf den beiden großen placebokontrollierten Studien iPrEX und Partners PrEP, in denen die Truvada-PrEP das Ansteckungsrisiko mit HIV bei Risikopersonen senken konnte. Das Nebenwirkungsprofil – am häufigsten Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust – war bereits von der Anwendung des Arzneimittels bei HIV-Positiven bekannt.

 

Gilead weist darauf hin, dass Truvada allein nur von HIV-Negativen eingenommen werden soll. Bei unklarem Infektionsstatus oder nachgewiesener Infektion muss das Mittel mit anderen antiretroviralen Medikamenten kombiniert werden, da es unter Truvada-Monotherapie zur Resistenzbildung kommen kann. Die medikamentöse PrEP in Kombination mit anderen vorbeugenden Maßnahmen, etwa dem Gebrauch von Kondomen, werde weltweit in Leitlinien empfohlen. Außer in Europa ist Truvada auch in Australien, Kanada, Kenia, Peru, Süd­afrika und den USA zur PrEP zu­gelassen.

 

Als Infektionsprophylaxe fällt das Mittel nicht in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung. Wer es als PrEP anwenden möchte, muss deshalb die Kosten selbst tragen. Momentan kostet ein Monatsbedarf des Originals 819,49 Euro, Reimporte sind etwas günstiger. /

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