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Alzheimer

Neuer Antikörper weckt Hoffnungen

07.09.2016
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Die Behandlung mit dem Antikörper Aducanumab führt bei Patienten mit frühen Formen von Alzheimer zu einer deut­lichen Abnahme der charakteristischen β-Amyloid -Plaques.

Das berichten Forscher um Jeff Sevigny vom US-amerikanischen Biotechnologie-Unternehmen Biogen im Fachjournal »Nature« (DOI: 10.1038/nature193). Auch der Abbau der geistigen Fähigkeiten hat sich den Ergebnissen der Phase-Ib-Studie zufolge bei den behandelten Patienten offenbar verlangsamt.

Plaques beseitigt

 

Die Ursachen von Alzheimer sind zwar noch immer unbekannt, dennoch konzentriert sich die Arzneimittelentwicklung stark auf β-Amyloid als Zielstruktur. Einige Anti-Amyloid-Therapien wurden bereits getestet, allerdings erfolglos. Nun stellt das Team um Sevigny den Antikörper Aducanumab vor, der die β-Amyloid -Menge im Gehirn reduziert. Entwickelt hatten ihn Forscher der Universität Zürich. Hierfür hatten sie aus dem Blut von älteren Menschen ohne kognitive Einschränkungen B-Zellen isoliert, deren Antikörper zwar die toxischen β-Amyloid-Klumpen erkennen, nicht aber das überall im Körper vorkommende Amyloid-Vorläuferprotein. Aus einem B-Zell-Klon isolierten die Forscher dann den Antikörper Aducanumab. Seine Bindung an die Plaques führt zu deren Entfernung durch Mikrogliazellen.

 

In Untersuchungen mit Modellmäusen für die Alzheimer-Erkrankung konnten die Forscher zeigen, dass Aducanumab in das Gehirn gelangt und dort dosisabhängig lösliches und unlösliches β-Amyloid beseitigen lässt. Die Wissenschaftler testeten den Antikörper anschließend in einer klinischen Phase-Ib-Studie mit 165 Patienten mit leichten Alzheimer-Symptomen und nachgewiesenen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn. Diese Patienten erhielten ein Jahr lang einmal im Monat eine Aducanumab-Injektion in den Dosierungen 1, 3, 6 oder 10 mg/kg Körpergewicht. Die Therapie ließ die Amyloid-Ablagerungen dosis- und zeitabhängig verschwinden, berichten die Forscher. Bei den Patienten, die die höchste Antikörperdosis erhalten hatten, waren nach einem Jahr praktisch keine β-Amyloid-Plaques mehr nachweisbar.

 

Obwohl ursprünglich nicht als primäres Studienziel vorgesehen, untersuchten die Wissenschaftler auch, wie sich die Therapie auf die Krankheitssymptome auswirkt. Dazu verwendeten sie standardisierte Fragebögen, mit denen kognitive Fähigkeiten oder Alltagsaktivitäten der Patienten getestet werden können. »Auch bei den klinischen Symptomen zeigte Aducanumab gute Resultate«, sagte Professor Dr. Roger M. Nitsch von der Universität Zürich in einer Pressemitteilung. »Während sich bei den Patienten der Placebogruppe die geistigen Fähigkeiten signifikant verschlechterten, blieben diese bei den Patienten mit der höchsten Antikörperdosis deutlich stabiler.«

 

Die häufigste Nebenwirkung waren Amyloid-assoziierte Anomalien in der Magnetresonanz-Bildgebung (amyloid-related imaging abnormality, ARIA), die sich in Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn äußerten. Diese waren in einigen Fällen von Kopfschmerzen begleitet und traten bei höheren Dosierungen häufiger auf als bei niedrigen. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich bei ARIA um einen messbaren biologischen Effekt der Amyloidentfernung handelt. Zudem wurden Atemwegs- und Harnwegsinfekte beobachtet.

 

Phase-III-Studien laufen

 

Aktuell wird Aducanumab in zwei Studien der Phase III an insgesamt 2700 Patienten mit beginnender Alzheimer-Erkrankung untersucht. Daran sind mehr als 300 Zentren in 20 Ländern Nordamerikas, Europas und Asiens beteiligt. /

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